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Hunger in Niger

ASB Deutschland e.V.
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Lohnenswerter Rückblick.

Mit interessanten Berichten, aktuellen Zahlen und vielen Fotos rund um das vergangene ASB-Jahr.

Einsatztagebuch Türkei

4.300 km von Köln nach Van

Der ASB-Fahrer Holger Bade schildert seine Erlebnisse auf der Strecke in das türkische Erdbebengebiet. Rechtszeitig zum Wintereinbruch traf er mit seiner Hilfgüter-Fracht bei den betroffenen Familien ein.

+++ Donnerstag, 27.10.2011 +++

Der ASB plant Decken, Zelte und Küchensets in die türkische Erdbebenregion Van zu schicken. Ich soll den Hilfsgütertransport in die Osttürkei fahren. In der kurzen Vorbereitungszeit heißt es: Beifahrer suchen, Route planen, Papiere vorbereiten, Zollformalitäten klären. Außerdem musste ich meiner Lebensgefährtin erklären, dass ich für 10 Tage nicht da bin, weil ich in ein Erdbebengebiet fahre. Auch, wenn es ihr schwer fiel, unterstützt sie meine Einsatz natürlich.

+++ Samstag , 29.10.2011 +++

Heute soll die Tour losgehen. Mein Beifahrer Heinz Tadje und ich treffen uns morgens um 06.00 Uhr in Barsinghausen, wo der ASB-Transporter steht. Von dort machen wir uns auf dem Weg zum ASB-Lager in Troisdorf bei Bonn. Noch einmal fahren Heinz und ich die Route im Kopf ab. Sind auch die Zoll- und Ladepapiere alle in Ordnung? Als wir am Zolllager eintreffen, erfahren wir, dass es Probleme damit gibt. Da der Zoll am Wochenende nicht besetzt ist, bedeutet das, wir müssen die Abfahrt auf Montag verschieben.


+++ Montag, 31.10.2011 +++

Um 10.00 Uhr sind wir am Zolllager. Telefonisch spreche ich mit der Zollchefin in Bonn und schildere ihr die Situation. Sie sichert uns ihre Hilfe zu. Gegen 14.00 Uhr kommt die Nachricht, dass wir mit dem Verladen der Hilfsgüter beginnen können. 25 Tonnen Decken, Zelte und Küchensets werden teils mit Gabelstapler teils von Hand verladen. Jede Lücke im ASB-Transporter wird genutzt. Gegen 16.30 Uhr geht es endlich auf die 4.300 Kilometer lange Reise in das Erdbebengebiet. Da es spät geworden ist und Nebel aufzieht, schaffen wir nur noch 300 Kilometer. Im Spessart ist erst einmal Schluss für heute.


+++ Dienstag, 01.11.2011 +++

Um 5.00 Uhr morgens geht´s weiter. Unser Ziel für heute heißt Ungarn. Die Route führt uns ca. 1.000 Kilometer über Nürnberg in Richtung Österreich. Während der Fahrt stellen sich Heinz und mir einige Fragen: Wo tankt man am besten und wo macht man am besten Pause? Wir finden Rat bei türkischen LKW-Fahrern. Ohne besondere Vorkommnisse geht es weiter nach Szeged in Ungarn. Dort stellen wir zu unserer Überraschung fest, dass die Autobahn bereits fertiggestellt ist; also fahren wir direkt weiter bis kurz vor die Grenze.

+++ Mittwoch, 02.11.2011 +++

Heute wollen wir Bulgarien erreichen. Aber zuerst einmal müssen wir durch Rumänien. Wir fahren über Timisoara und sind über die Qualität der Straßen positiv überrascht, so dass wir zügig vorankommen. Gegen Mittag erreichen wir den Hafen in Callafat. Wir möchten nach Vidin in Bulgarien übersetzen. Doch der erste Rückschlag lässt nicht lange auf sich warten. Wann die Fähre ablegt, ist nicht ganz klar - vielleicht in einer, aber vielleicht auch erst in drei Stunden. Nach 90 Minuten kommt endlich unsere Fähre, und wir sind einer der ersten LKW, der an Bord kommt.


An der türkischen Grenze.
ASB/ H. Bade

+++ Donnerstag, 03.11.2011 +++

Auch heute ist um 5.00 Uhr Wecken. In der Nacht gab es den ersten Frost. Unser Sattelzug muss sogar vorgeglüht werden. Wir machen unseren allmorgendlichen Check und prüfen, ob noch alles komplett und unsere kostbare Ladung noch unversehrt ist. Dann brechen wir auf. Bis zur Grenze sind es 350 Kilometer. Ich fahre, und Heinz rechnet laut unseren letzten Verbrauch aus. Wie viel Geld müssen wir wechseln?

An der türkischen Grenze

An der Grenze angekommen, müssen wir zum bulgarischen Zoll. Vor uns stehen 100 LKWs – das bedeutet Wartezeit, die wir nicht haben. Wir sprechen mit zwei türkischen Fahrern, von denen einer regelmäßig nach München fährt. Er kann gut Deutsch, und so kommen wir rascher nach vorn. Beim Zoll angekommen, erledige ich den Papierkram. Ich erkläre dem Beamten, dass wir humanitäre Hilfe für die Erdbebenopfer in Van fahren. Und plötzlich helfen mir einige Fahrer bei den Zollschaltern.

In der Zwischenzeit hat Heinz mit türkischen Fahrern über die weitere Route gesprochen. Als wir schließlich auf dem Zollhof an der türkischen Grenze ankommen, erhalten wir erneut Unterstützung von den Truckern. Es hat sich unter den Fahrern herumgesprochen hat, dass wir Hilfsgüter transportieren. Plötzlich werden für uns LKWs weggefahren und eine Gasse entsteht. Wir haben freie Bahn. Unsere Zollpapiere werden zur Chefsache erklärt. Der Chef des Zollhofes stellt sich per Handschlag vor und erklärt mir auf Englisch, dass wir bevorzugt behandelt würden, da es nicht selbstverständlich sei, Hilfe zu leisten!


Nichts geht mehr rund um Istanbul. Dichter Verkehr bremst den Hilfsgütertransport.
ASB/ H. Bade

Weiter nach Istanbul

Nachdem wir den Zollhof verlassen haben, geht es weiter nach Istanbul. Noch sind wir guter Hoffnung, dass wir heute Nacht bei Ankara übernachten können. Doch der Verkehr sollte uns einen Strich durch die Rechnung machen. In Istanbul angekommen, kriechen wir über den Außenring mit sage und schreibe 20 km/h. Wir brauchten insgesamt fünf Stunden, um über den Bosporus zu kommen!

+++ Freitag, 04.11.2011 +++

Heute geht es in den Teil der Türkei, der abseits der Touristenrouten liegt. Heinz und ich wissen noch nicht, was uns erwartet. Wir fahren über die Autobahn nach Ankara und von dort über die Staatsstraße Richtung Osten. Die Strecken hat teilweise acht Prozent Steigung, weswegen es teilweise nur im Schritttempo voran geht. Wir nehmen uns vor, heute mindestens bis in das Einsatzgebiet zu kommen. Doch am späten Nachmittag setzt Schneeregen ein. Gegen Nachmittag treffen wir an einer Tankstelle einen netten Türken, der uns zu einem Tee einlädt, bevor wir weiterfahren.


Rechts ab nach Van: der ASB-LKW hat den Südosten der Türkei erreicht.
ASB/ H. Bade

In den Bergen

Als wir die Stadt Sivas passieren, setzt heftiger Schneefall ein und wir fürchten schon, dass wir nicht mehr über die 2.000 Meter hohen Berge kommen. Doch wir werden angenehm überrascht, denn der Winterdienst war bereits im Einsatz, so dass wir zunächst ohne Probleme, wenn auch sehr langsam, vorankommen. Nachdem wir die Stadt Erzurum passiert haben, telefonieren wir mit unserem Kollegen Memo. Er ist von einer ASB-Partnerorganisation und wird die Verteilung der Hilfsgüter im Erdbebengebiet koordinieren. Etwa 350 km vor unserem Ziel machen wir den letzten Stopp.

+++ Samstag, 05.11.2011 +++

Wir sind uns einig, das Schlimmste liegt hinter uns. Jetzt müssen wir nur noch ein paar Berge schaffen. Doch wir sollten uns irren. Zuerst geht es ohne Probleme Richtung Van. Das Einzige, was uns auffällt, sind die vielen iranischen LKWs, denn die Grenze zum Iran ist nur 100 km entfernt. Auf einer schmalen Straße geht es Richtung Van. Vor uns sehen wir wie sich die Straße immer weiter in den Himmel schraubt. Ob wir das schaffen?! Bis auf 2.644 Meter Höhe müssen wir mit unserer wertvollen Fracht.

Auf der letzten Etappe kommen wir schneller voran. Vereinzelt sieht man Zelte vom Roten Halbmond je näher wir dem Zielgebiet kommen. Unser Kollege Memo meldet sich erneut und teilt uns mit, dass er in Van ist. Er kümmert sich um den Zoll, damit die Hilfsgüter heute noch verteilt werden.


Ankunft in Van: Heinz Tadje löst die Zollplomben am LKW, um die Hilfsgütern zu entladen.
ASB/ H. Bade

Ankunft in Van

Vor Ort erfahren wir von der Bevölkerung, dass die Hilfe auch 14 Tagen nach dem Erdbeben noch nicht alle Dörfer erreicht hat. Die ASB-Hilfsgüter treffen wirklich zum richtigen Zeitpunkt ein; denn die Schneefallgrenze sinkt zum Teil auf unter 2.000 Meter. Schließlich werden die Hilfsgüter auf kleinere Transporter verladen, um sie noch am Abend in einige Dörfer zu bringen, wo sie dringend benötigt werden. Wir selbst machen uns wegen der Witterung wieder auf den Rückweg. Wir wollen zumindest den 2.600 m hohen Berg überqueren, damit wir dort nicht fest sitzen, falls es wieder zu schneien beginnt.

+++ Sonntag, 06.11.2011 +++

Heute geht es ohne Probleme durch den nördlichen Teil der Türkei. Wir wollen das milde Klima vom Schwarzen Meer nutzen. Auch auf dieser Strecke treffen wir immer wieder Türken, die uns nett und freundlich entgegentreten und uns zum Tee einladen. Gegen Abend treffen wir wieder im Verkehrschaos von Istanbul ein. Das wir das unfallfrei überstehen, ist schon ein kleines Wunder. Heinz und ich sind uns einig: Für heute ist Schluss!


Es geht nach Hause: Die Rückfahrt verläuft ohne Zwischenfälle - freie Fahrt.
ASB/ H. Bade

+++ Montag, 07.11.2011 +++

Jetzt fehlen uns noch 200 Kilometer bis zur Grenze. Wir haben keinerlei Probleme und so nimmt unsere Rückreise einen guten Verlauf. Überall, wo wir ankommen, wird uns sofort geholfen. Bei unserer Ausreise erlebe ich Erstaunliches: Ein Polizisten bedankt sich bei uns im Namen der Türkei für die geleistete Hilfe.

Jetzt geht es durch Bulgarien und Rumänien immer weiter Richtung Heimat. Wir kommen gut voran und haben die Hoffnung, dass wir bis Mittwoch zu Hause sind. Zehn Tage einer anstrengenden Reise gehen erfolgreich zu Ende.

Ich hoffe, dass wir mit unserem kleinen Beitrag einigen Menschen rechtzeitig helfen konnten. Dank an alle, die durch ihre Unterstützung an diesem Erfolg teilhaben. Besonders zu erwähnen sind Axel Schmidt und alle von der ASB Auslandshilfe und vom ASB Bundesverband. Dank aber auch an alle, die uns während der Fahrt immer wieder unterstützt und mit ihrer Gastfreundschaft immer wieder überrascht haben.

Holger Bade / Marion Michels 17-11-2011

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