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ASB-Position zum Ausbau von Kinderbetreuungsangeboten

April 2007

Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft


„Mehr Kinder braucht das Land!“ – unter dem Dach dieses Slogans vereinigt sich die große Koalition in Berlin ohne jedes Zögern. Wenn es jedoch darum geht, wo und von wem der so sehr ersehnte Nachwuchs tagsüber betreut werden soll und aus welchen Töpfen die finanziellen Mittel für die Betreuung vor allem der unter Dreijährigen fließen könnten, gehen die Meinungen weit auseinander. Die einen beschwören die Familienmutter als die einzig wahre Alternative, die anderen fordern das Recht auf einen ganztägigen Betreuungsplatz ab dem ersten Lebensjahr. Beides muss – wenn auch aus unterschiedlichen Haushalten – von der Gesellschaft mitfinanziert werden.

In der Koalitionsrunde am 5. März 2007 einigten sich die Fraktionen darauf, zunächst den Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen und mögliche Finanzierungsformen erneut zu ermitteln. Diese Vorarbeiten sollten längst abgeschlossen sein. Selbst wenn nun noch einmal hinter verschlossenen Türen Wege zur Umsetzung gesucht werden – außer Frage steht bei allen Fraktionen, dass das Angebot an Kinderbetreuungs- plätzen vor allem in den alten Bundesländern dringend aufgestockt werden muss.

Dieser Ansicht schließt sich der ASB an. Die von der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen bereits im Januar geforderte Erhöhung der Krippenplätze um 500.000 bis zum Jahr 2013 ist dringend erforderlich. Der ASB fordert die Mitglieder der Bundesregierung auf, schnellstmöglich Konzepte zur Ausweitung und Finanzierung einer bedarfsdeckenden Anzahl von Betreuungsplätzen für Kinder im Vorschulalter, besonders aber der unter Dreijährigen, vorzulegen und umzusetzen. Ein Aufschub dieser wichtigen Aufgaben in einem Land mit einer ohnehin geringen Fertilitätsrate kann aus folgenden Gründen nicht länger hingenommen werden:

Der nachgewiesen schlechte Bildungsstand deutscher Kinder und Jugendlicher hängt auch damit zusammen, dass schon beim Start in die Grundschule ungleiche Voraussetzungen mitgebracht werden. In den Betreuungseinrichtungen für Kinder im Vorschulalter besteht die Chance, viele Benachteiligungen auszugleichen, Sprache und Bewegung zu fördern und die Kinder auf die Schule vorzubereiten.

Allein Erziehende und Paare mit Kindern befinden sich vielfach in prekären Lebenslagen, in denen eine längere Unterbrechung der Erwerbstätigkeit fatale Folgen haben kann. Unsichere Arbeitsplätze ebenso wie nicht ausreichende Unterhaltszahlungen für die Kinder von allein Erziehenden können Familien schnell an die Armutsgrenze führen. Oftmals reicht auch ein Erwerbseinkommen nicht mehr aus, um den Lebensunterhalt zu sichern.


Frauen und Männer müssen angesichts der demografischen und sozialen Veränderungen in der Gesellschaft zur Absicherung ihrer Alterseinkommen eine möglichst ununterbrochene (Vollzeit-) Erwerbstätigkeit vorweisen. Darüber hinaus wird der Generation der jungen Mütter und Väter unmissverständlich deutlich gemacht, dass sie für viele – früher zum Leistungskatalog beispielsweise der Krankenkassen gehörende Maßnahmen – selbst aufkommen und zusätzlich für ihr Einkommen und ihre Pflege im Alter private Rücklagen bilden sollen.


Diese Veränderungen in den Lebensbedingungen junger Menschen, die natürlich auch mit dem demografischen und sozialen Wandel zusammenhängen, können die ältere Generation und auch die Politikerinnen und Politiker nicht unberührt lassen. Junge Eltern müssen die Möglichkeit erhalten, Kindererziehung und Erwerbstätigkeit miteinander verbinden zu können. Sie müssen sich darauf verlassen können, dass sie ihre Kinder über mehrere Stunden am Tag einer professionellen und qualitativ hochwertigen Betreuung überlassen können.

Der ASB setzt sich deshalb dafür ein, dass

  • Eltern ihre berufliche Arbeit und familiäre Verpflichtungen gut miteinander vereinbaren können,
  • die Zeit in der vorschulischen Betreuung genutzt wird, um Benachteiligungen auszugleichen und allen Kindern Bildungs- und Förderungsangebote zukommen zu lassen,
  • die betreuenden Fachkräfte in den Einrichtungen sowie die Tagesmütter eine sorgfältige Ausbildung und Vorbereitung auf ihr Arbeits- und Berufsfeld erhalten und eine kontinuierliche Fort- und Weiterbildung verpflichtend durchgeführt wird,
  • Grundschulkinder nach dem Unterricht in kleinen Gruppen von Fachkräften individuell versorgt, betreut und gefördert werden können und
  • die geplante Ausweitung des Platzangebotes für die unter Dreijährigen schnellstmöglich umgesetzt wird.

Der ASB schlägt vor,

  • dass die bestehenden Ganztagsschulangebote für Grundschulkinder ausgeweitet werden. Dazu zählt: die Erhöhung der Plätze, die Ausdehnung der Betreuungszeiten, so dass sie den Bedürfnissen berufstätiger Eltern entsprechen, die Betreuung der Kinder durch fachlich qualifiziertes Personal und der Ausbau der individuellen Förderung durch Hausaufgabenbetreuung, musische Bildung sowie Sport und Bewegung,
  • bei den Überlegungen zur Finanzierung der Kinderbetreuungskosten zu bedenken, dass qualifizierte Betreuungsangebote jungen Menschen die Entscheidung für die Gründung einer Familie leichter machen. Außerdem schaffen die vielfach gut ausgebildeten jungen Mütter und Väter, in dem sie weiter arbeiten gehen, nicht nur für sich selbst eine wirtschaftlich sichere Lebensgrundlage, sondern unterstützen durch Beiträge in die sozialen Versicherungssysteme die Solidargemeinschaft. So hat eine Untersuchung der Universität Bielefeld ergeben, dass jeder Euro für den Kindergarten das drei- bis vierfache für die Gesellschaft wieder hereinbringt.

Der ASB spricht sich ausdrücklich für die Möglichkeit aus, dass junge Eltern die Wahl haben zwischen der Möglichkeit, einige Jahre ausschließlich der Kindererziehung zu widmen oder ihre Kinder kostengünstig und qualifiziert betreuen zu lassen. Eine ausgedehnte Elternzeit kann für Eltern und Kinder wichtige Lebenserfahrungen beinhalten und das Zusammenwachsen als Familie fördern. Doch angesichts des gesellschaftlichen Wandels und der damit verbundenen vielfach brüchigen Erwerbsbiografien, muss es möglich sein, auch mit kleinen Kindern weiter erwerbstätig zu sein und gleichzeitig den Nachwuchs in guten Händen zu wissen. Nur eine nachhaltig abgesicherte, qualitativ hochwertige und sorgfältige Betreuung und Erziehung der folgenden Generationen macht unsere Gesellschaft zukunftsfähig.

 
 
 

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