Der ASB in den Flutregionen in Rheinland-Pfalz und NRW

1 Jahr Flutkatastrophe - Unsere Hilfe geht weiter!

Der Arbeiter-Samariter Bund (ASB) ist in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Einsatz, um die Menschen nach der verheerenden Flutkatastrophe bei der Bewältigung der Schäden und beim Wiederaufbau zu unterstützen. Das Hochwasser hat viel Leid über die Menschen gebracht und enorme Zerstörung angerichtet. Unsere Zwischenbilanz ein Jahr nach der Flut: Der ASB hat bislang 21,4 Millionen Euro bereitgestellt, um die Betroffenen zu unterstützen. Damit konnten wir 50.000 Menschen in über 70 Orten in den Flutgebieten helfen. Wir wissen, dass der Wiederaufbau noch einige Zeit benötigt. Denn die Schäden sind immens. Deshalb geht unsere Hilfe weiter, solange die Menschen uns brauchen.


Das Gemeinschaftswohnen mitten in Dernau mit 15 Seniorinnen und Senioren war die erste Unterkunft, die vom ASB errichtet wurde. Die Bewohner:innen, die ihr Zuhause verloren hatten, konnten so in ihren Heimatort zurückkehren. Die Unterkunft hat einen Schlaf- und Wohnbereich sowie ein Sanitär- und Kochbereich, ausgelegt für ein Paar oder Alleinstehende. Zusätzlich gibt es einen großen Gemeinschaftsraum, für gemeinsame Mahlzeiten und Aktivitäten sowie eine Waschküche mit Waschmaschinen zur freien Nutzung. Der Gemeinschaftsraum bietet auch den Bürgerinnen und Bürgern aus Dernau eine Gelegenheit in Ruhe zusammenzukommen.

Fast zeitgleich im Dezember 2021 übernahm der ASB auch für die Unterkunft in Bad Neuenahr-Ahrweiler mit 48 Wohneinheiten für Paare und Alleinstehende, die Betreuung und den Hausmeister-Service.
Seitdem ist die Betreuung von Unterkünften an fünf weiteren Standorten hinzugekommen, wo Familien und Menschen mit Beeinträchtigungen wohnen. Insgesamt werden derzeit rund 300 Menschen an insgesamt sieben Standorten im Ahrtal vom ASB betreut. „Die Menschen haben – zumindest soweit wie möglich – wieder das Gefühl zu Hause zu sein“, berichtet die Betreuerin der Gemeinschaftsunterkunft in Dernau, Katrin Zetzsche-Josten. „Wichtig ist nun, dass alle ihre Hoffnung und Zuversicht behalten.“



Nach der Flut wurde schnell deutlich wie immens die Schäden an privaten und öffentlichen Gebäuden waren. Den ASB erreichten in den betroffenen Regionen zahlreiche Hilfegesuche von betroffenen Bürgerinnen und Bürgern. Der Bedarf an versicherungs- und baurechtlicher Beratung war und ist groß. Für die Geschädigten ist es teilweise schwer, ihre Ansprüche geltend zu machen. Häufige Probleme sind unklare Vertragsverhältnisse und – bedingt durch die Flut – fehlende Unterlagen.

Der ASB NRW hat die Notlage der Betroffenen sofort aufgenommen und eine geeignete Fachanwaltskanzlei gefunden, die bereit war hier zu unterstützen. Die Anwälte – spezialisiert auf Versicherungsrecht – beraten seit Ende November 2021 in den stark betroffenen Regionen wie Euskirchen, Erftstadt oder Mechernich mit den angrenzenden Gemeinden.

In persönlichen Gesprächen vor Ort ist ausreichend Zeit, die individuellen Probleme zu besprechen. Die weitere Betreuung findet per Telefon oder per E-Mail statt. Für die Flutgeschädigten ist die Beratung kostenlos. Die Beratung wird aus Spenden der Aktion Deutschland hilft (ADH) finanziert.



Viele Menschen kämpfen noch heute mit den belastenden und traumatisierenden Erlebnissen während der Flutkatastrophe. Unterstützung bietet die Traumaberatung des ASB Rhein Erft/Düren in Euskirchen.

Ein vierköpfiges Team bietet seit dem 4. April 2022 Einzelgespräche oder auch Hausbesuche an. Michael Dum ist als Sozialpädagoge in der ASB-Traumaberatung tätig: „Der Jahrestag stimmt die Menschen erschöpft und traurig. Sie erinnern sich noch einmal daran, was sie verloren haben. Viele Betroffene haben Angehörige, Nachbarn oder Freunde verloren. Viele haben zudem große finanzielle oder materielle Verluste erlitten.“ Traumatisierte haben eine große Verunsicherung erfahren, Sicherheit ist weggebrochen. Das führt oft zu Problemen, den Alltag zu bewältigen. Die Beratung unterstützt die Menschen ganz individuell, sei es bei alltäglichen Dingen oder Anträgen bei Behörden. Das Ziel ist, die Betroffenen zu stärken. Die Beratung ist kostenlos.

Ein weiteres Projekt des ASB zur Bewältigung der traumatischen Erlebnisse ist die Reittherapie für Kinder in Mechernich. Die therapeutischen Reitstunden helfen, Ängste zu überwinden und geben den Kindern Energie, Entspannung und neues Selbstbewusstsein. „Pferde spenden einfach Sicherheit“, sagt Reittherapeutin Isabell Riedling. Und eine Mutter berichtet: „Das hat ganz viel Stabilisierung gebracht.“

Beide Projekte werden aus Spendenmitteln der Aktion Deutschland hilft (ADH) finanziert.




Bei der Baustoffspenden-Ausgabe in Erftstadt erhalten Flutbetroffene kostenlos Baumaterialien, die von Firmen und Privatpersonen gespendet wurden, beispielsweise Fliesenkleber, Estrich oder Trockenbaumaterialien. Außerdem werden Werkzeug und Geräte für die Sanierungsarbeiten verliehen. Mit dem Baustoffzentrum wird der Wiederaufbau von privaten Wohnungen und Häusern unterstützt, denn Handwerker:innen und Baustoffe sind knapp.

Gegründet wurde die Baustoffspenden-Ausgabe von Tibor Schady, der das Projekt gemeinsam mit 150 ehrenamtlichen Helfer:innen und in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Erftstadt gestartet hat. Das Motto lautet: „Wir für den Wiederaufbau!“

Im April 2022 hat der ASB die Trägerschaft für das Projekt übernommen, das nun aus Mitteln der Aktion Deutschland hilft (ADH) finanziert wird. Nach wie vor engagieren sich 120 Ehrenamtliche für das Projekt; täglich helfen 25 Ehrenamtliche beim Betrieb des Baustoffzentrums. Bislang wurde Baumaterial an über 20.000 Betroffene ausgegeben.

Unmittelbar nach der Flut hat der ASB in den betroffenen Regionen in NRW und Rheinland-Pfalz jede Menge Hilfsgüter geliefert, insbesondere Bautrockner zum Trocknen der feuchten Gebäude. ASB-Helfer:innen haben 778 Bautrocker ausgeliefert, 555 Heizgeräte und Heizlüfter sowie 20 Notstromaggregate. Außerdem hat der ASB viele Flutgeschädigte mit neuen Haushaltsgeräten versorgt: mit rund 700 Kühlschränken, 150 Mikrowellen oder Kochplatten sowie 1042 Waschmaschinen und Wäschetrocknern.



Finanzielle Soforthilfen aus Spendengeldern sind ein Baustein der Hilfeleistung für die von der Flutkatastrophe Betroffenen. Dazu zählen die Bearbeitung und Auszahlung von Soforthilfen in Höhe von bis zu 2.500 Euro pro Haushalt. Der ASB hat bislang 4,15 Mio. Euro Soforthilfen an Flutgeschädigte ausgezahlt. Die Auszahlungen erfolgten in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Kommunen, u.a. in Erftstadt und Umgebung, in Bergisch Land und in Rheinland Pfalz. Zudem wurden und werden Stromkostenpauschalen ausgezahlt, um die Mehrkosten bei der Stromrechnung durch den Einsatz von Bautrocknern auszugleichen.

„Ein guter Anfang für jedes Leben“ – dieses Motto war wegweisend bei der Idee, das ASB-Hebammenmobil auf die Straße zu bringen. Die rollende Hebammenpraxis ist speziell für den Einsatz in den vom Hochwasser betroffenen Regionen entwickelt worden, denn die Menschen in den Hochwassergebieten stehen vor enormen Herausforderungen.

Die Infrastruktur ist erst in Teilen wiederhergestellt und das erschwert – auch bei der laufenden Aufbauarbeit – die Betreuung durch eine Hebamme. Diese Lücke soll das Hebammenmobil schließen. Zu festgelegten Zeiten steht das Hebammenmobil in mehreren Ortschaften wie Mechernich, Schleiden, Gmünd und Wachtberg – immer besetzt mit einer Hebamme aus der Region. Schwangere Frauen und junge Familien können sich so wohnortnah beraten und betreuen lassen.

Das Fahrzeug ist wie eine Hebammenpraxis ausgestattet. Es gibt eine Liege für die Untersuchungen, einen Wehenschreiber, Tisch und Sitzgelegenheit für ausführliche Beratungsgespräche sowie Platz zum Spielen für Geschwisterkinder, sogar zwei Kisten mit Kinderspielzeug. Die blickdichte Außenverkleidung des Mobils sorgt für ausreichend Sichtschutz und Vertraulichkeit bei Untersuchungen und Beratungsgesprächen. 

Mehr zum Hebammenmobil finden Sie hier: asb-hebammenmobil.de




Forderungen des ASB: Katastrophenvorsorge muss gestärkt werden

Ein Jahr nach der verheerenden Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen fordert der ASB die Stärkung der Katastrophenvorsorge.


Die drei Forderungen des ASB:

Umsetzung der bundesweit einheitlichen Helferfreistellung

Die überwiegende Arbeit im Bevölkerungsschutz wird durch ehrenamtliche Einsatzkräfte geleistet. Ihr Einsatz wird jedoch gerade bei länderübergreifenden Großeinsätzen durch unterschiedliche oder fehlende Regelungen zur Helferfreistellung erschwert. Zwar haben einzelne Länder wie Bayern, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein oder Sachsen die Helferfreistellung bereits geregelt, jedoch müssen bei großen Katastrophen bundesweite Mechanismen greifen, um die administrativen und versicherungsrechtlichen Hürden für die Bevölkerungsschützer:innen und ihre Arbeitgeber so einfach und handhabbar wie möglich zu machen. Eine bundesweit einheitliche Regelung, die die Freistellung von Helferinnen und Helfern der anerkannten Hilfsorganisationen durch den Arbeitgeber klar regelt und mit den Ehrenamtlichen von THW und Feuerwehr gleichstellt, ist daher dringend notwendig.

Hierbei müssen folgende Fragen geregelt werden: Freistellung der Ehrenamtlichen vom Arbeitsplatz, Leistungen für Verdienstausfälle an Arbeitgeber, Sozialversicherungsleistungen sowie Freistellungen für Übungen, Bereithaltung, Aus- und Weiterbildung.

Auch das vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Auftrag gegebene Kurzgutachten aus dem Herbst 2021 zur Helfergleichstellung in Deutschland kommt zu der Empfehlung, dass zwischen Bund und Ländern eine gemeinsame Lösung abgestimmt werden muss mit dem Ziel, bundesweit Helferinnen und Helfer gleichzustellen. Ob dies mittels eines Staatsvertrages zwischen den Ländern und dem Bund oder des Gesetzes über den Zivilschutz und die Katastrophenhilfe des Bundes (ZSKG) gewährleistet wird, ist für uns dabei unerheblich. Entscheidend ist eine Lösung.

Zentralisierung von Krisenmanagementstrukturen

Die Bewältigung von Hochwasserkatastrophen wie 2002, 2009, 2013 und 2021 oder auch anderer Großschadenslagen, wie zuletzt die Waldbrände in Brandenburg, müssen zentral beobachtet und koordiniert werden, um alle vorhandenen Ressourcen so effizient wie möglich zusammenzuführen und einzusetzen. In der länderübergreifenden Zusammenarbeit müssen Strukturen geschaffen werden, in der eine „Krisenzentrale“ solche Einsätze koordiniert, Lagebilder erstellen lässt, Bedarfe erkennt und Ressourcen anfordert. Gleichzeitig muss eine solche Krisenzentrale die Öffentlichkeit informieren. Der Dreiklang im Bevölkerungsschutz zwischen Bund, Ländern und Landkreisen funktioniert in kleinen Lagen, in Übungs- und Ausbildungsstandards, aber in nationalen Schadenslagen kommt dieses System an seine Grenzen. Das geplante Gemeinsame Kompetenzzentrum im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) nimmt erste Konturen an und ist ein dringend erforderlicher Schritt. Die Einbindung der Hilfsorganisationen muss dabei gewährleistet sein. Darüber hinaus bedarf es aber auch einer insgesamt verbesserten Ausstattung des Katastrophenschutzes.

Steigerung der Selbstschutzfähigkeit der Bevölkerung

Die Selbstschutzfähigkeit der Bevölkerung (Resilienz) muss durch Maßnahmen der Katastrophenprävention und Bildungsangebote verbessert werden, damit Menschen sich und anderen in Krisen und Katastrophen schnell helfen können. Hier leisten der ASB und weitere Hilfsorganisationen mit ihren „Erste Hilfe-Kursen mit Selbstschutz-Inhalten“, die vom BBK finanziert werden, einen Beitrag. Wir brauchen außerdem einen Krisenatlas für Deutschland, damit Menschen wissen, dass sie in Hochwasser- und Überschwemmungsgebieten oder Dürreregionen leben und sich entsprechend vorbereiten können.


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Dorothee Winden

Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecherin

Telefon : 030/2325786-122

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ASB-Bundesgeschäftsstelle Berlin

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