Schwerbehindertenausweis: Fragen und Antworten

Wer hat Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis? Wie wird er beantragt und welche Vorteile sind damit verknüpft? Fragen und Antworten zum Schwerbehindertenausweis.

Schwerbehindertenausweise stellen die zuständigen Versorgungsämter aus.
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Wer erhält einen Schwerbehindertenausweis?

Ab einem Grad der Behinderung (GdB) von 50 erhalten Menschen mit Behinderung einen Schwerbehindertenausweis. Anspruch auf den Ausweis haben Menschen, die in Deutschland ihren Wohnsitz, ihren Aufenthaltsort oder Arbeitsplatz haben.

Wann liegt eine Schwerbehinderung vor?

Das Ausmaß einer Behinderung wird auf einer Skala zwischen 10 und 100 eingestuft. Ab einem Behindertengrad von mindestens 50 liegt eine Schwerbehinderung vor. Maßgebend ist dabei, wie sich die Behinderung auf die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft, und zwar in allen Lebenslagen, auswirkt.

Bei einem Grad der Behinderung von 30 oder 40 kann bei der Arbeitsagentur die Gleichstellung mit Schwerbehinderte beantragt werden. Durch die Gleichstellung gelten somit arbeitsrechtlich auch bei einem GdB von 30 dieselben Rechte wie bei einer Schwerbehinderung.

Damit der Grad der Behinderung richtig festgestellt werden kann, sollten die Auswirkungen der Behinderung im Alltag beschrieben und durch ärztliche Atteste bestätigt werden.

Wo erhält man einen Schwerbehindertenausweis?

Der Schwerbehindertenausweis kann beim zuständigen Versorgungsamt beziehungsweise Landesamt beantragt werden. Die Bürgerämter der Kommunen erteilen Auskunft darüber, welches Versorgungsamt zuständig ist.

Wie beantrage ich einen Schwerbehindertenausweis?

Der Schwerbehindertenausweis kann formlos oder mit einem Antragsformular beantragt werden. Bei einigen Versorgungsämtern lässt sich der Behindertenausweis auch im Internet beantragen.

Wie lange ist der Ausweis gültig?

Der Behindertenausweis ist in der Regel fünf Jahre lang gültig. Der Ausweis kann nach Ablauf der Frist zweimal ohne ein ärztliches Attest verlängert werden. Dies sollte spätestens drei Monate vor Ablauf der Frist erfolgen. Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine unbefristete Gültigkeit möglich.

Ist ein Schwerbehindertenausweis Pflicht?

Menschen mit einer Schwerbehinderung sind nicht dazu verpflichtet, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen. Der Schwerbehindertenausweis ist jedoch oft Voraussetzung, um Leistungen (Nachteilsausgleiche) beantragen zu können. So kann ein orangener oder blauer Parkschein nur beantragt werden, wenn zuvor der Grad der Behinderung und Merkzeichen festgelegt wurden. Die Merkzeichen stehen auf der Rückseite des Behindertenausweises.

Was bedeuten die Merkzeichen auf dem Behindertenausweis?

Folgende Merkzeichen gibt es:

  • G =  eingeschränkte Gehfähigkeit
  • aG = außergewöhnliche Gehbehinderung
  • H = hilflos
  • BI = blind
  • Gl = gehörlos
  • B = auf Begleitperson angewiesen
  • RF = Voraussetzungen für Befreiung der Rundfunkgebührenpflicht sind erfüllt

Welche Nachteilsausgleiche gibt es?

  • Zum Ausgleich behinderungsbedingter Nachteile können Menschen mit Behinderung je nach Merkzeichen folgende Nachteilsausgleiche erhalten:
  • unentgeltliche Beförderung im öffentlichen Personenverkehr (Freifahrt)
  • Steuererleichterungen
  • Parken: Benutzung von Behindertenparkplätzen (blauer Parkausweis bei aG und BI) sowie Parkerleichterungen (orangener Parkausweis)
  • Vergünstigungen bei Bussen und Bahnen
  • Ermäßigter Rundfunkbeitrag
  • Ermäßigter Eintritt bei Veranstaltungen
  • Arbeitsleben: Kündigungsschutz, Zusatzurlaub