Erste Hilfe nach Motorradunfällen

Jedes Frühjahr locken die ersten Sonnenstrahlen viele Motorradfahrer erneut auf die Piste. Christian Albrecht vom ASB Frankfurt a. M. fährt nicht nur privat Motorrad, sondern ist auch als Motorradsanitäter bei Großveranstaltungen unterwegs. Der 43-Jährige gibt Tipps zum Start in die Motorradsaison und zum richtigen Verhalten nach Motorradunfällen.

Ist der Verunglückte bewußtlos, muss der Helm vorsichtig abgenommen werden. Wie das geht, wird im Erste-Hilfe-Kurs gelehrt.
Foto: ASB/Fulvio Zanettini

Was sollte ein Ersthelfer beachten, der einen Motorradunfall beobachtet?

Albrecht: Wie bei jedem Unfall sollte man als Erstes an die Eigensicherung denken, d.h. als Autofahrer die Warnblinkanlage betätigen, eine Warnweste anlegen und die Unfallstelle mit einem Warndreieck absichern.

Das schützt nicht nur den verunglückten Motorradfahrer, sondern auch die Ersthelfer und Rettungskräfte. Setzen Sie anschließend über die Nummer 112 einen Notruf ab.

Viele Ersthelfer sind unsicher, ob sie den Helm abnehmen sollen. Was ist richtig?

Albrecht: Motorradfahrer haben ein besonders hohes Risiko für Wirbelsäulenverletzungen. Darum muss man besonders behutsam mit ihnen an der Unfallstelle umgehen. Ist der Verletzte nicht bei Bewusstsein, ist es zwingend nötig, den Helm abzunehmen. Dies sollte möglichst zu zweit erfolgen.

Der erste Helfer kniet dabei oberhalb des Kopfes des Motorradfahrers und stabilisiert seinen Hals, indem er den Helm und den Unterkiefer umfasst und leicht zu sich zieht. Der zweite Helfer öffnet dann das Visier, entfernt ggf. eine Brille und löst den Kinnriemen. Danach schiebt er seine Hände unter den Helm, um den Kopf zu fixieren, während der erste Helfer den Helm vorsichtig abnimmt.

Der Helm sollte dabei leicht gekippt über die Nase gehoben werden, ohne die Halswirbelsäule zu verletzen. Danach fixiert der erste Helfer den Kopf des Verunglückten. Atmet der Verletzte nicht, beginnt man dann mit der Wiederbelebung. Ist die Atmung vorhanden, dreht man den Bewusstlosen in die stabile Seitenlage.

Auch wer alleine eine Unfallstelle erreicht, sollte nicht davor zurückschrecken, den Helm abzunehmen. Dabei sollte immer darauf geachtet werden, dass der Kopf und die Halswirbelsäule mit einer Hand stabilisiert werden, während man mit der anderen den Helm abnimmt.

Eine Ausnahme besteht, wenn der Verunglückte ansprechbar ist und über Schmerzen im Halswirbelbereich klagt oder sich nicht bewegen kann, da dies auf eine Verletzung der Wirbelsäule hinweisen könnte. Dann ist es ratsam, auf den Rettungsdienst zu warten.

Worauf sollten Motorradfahrer vor Beginn der Saison achten?

Albrecht: Natürlich sollte das Motorrad in einem technisch einwandfreien Zustand sein, und eine intakte Motorradschutzkleidung mit Protektoren senkt das Verletzungsrisiko. Die Einsatzkräfte der Motorradstaffel des ASB Frankfurt a. M. nehmen alle zwei Jahre an einem Fahrsicherheitstraining teil.

Außerdem sollte man regelmäßig seine Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischen. Das kann ich nicht nur Motorradfahrern, sondern jedem Verkehrsteilnehmer empfehlen.

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Wie fit sind Sie in Erster Hilfe? Frischen Sie doch Ihre Erste-Hilfe-Kenntnisse in einem ASB-Verband in Ihrer Nähe mal wieder auf. Übrigens: ASB-Mitglieder erhalten jedes Jahr einen Erste-Hilfe-Kurs ihrer Wahl gratis. 

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