Hilfe für syrische Flüchtlinge

Einsatztagebuch aus dem Nordirak

Das First Assistance Samaritan Team (FAST) des ASB leistet medizinische Nothilfe für syrische Flüchtlinge im Nordirak. Ein achtköpfiges Team ist am 28. Oktober 2012 in die Grenzregion aufgebrochen, um im Flüchtlingslager Dormiz kranke und verletzte Flüchtlinge medizinisch zu versorgen. In diesem Einsatztagebuch berichten die Helferinnen und Helfer regelmäßg von ihren Erfahrungen.

Sonntag, 9. Dezember 2012

Heute kehren wir nach Deutschland zurück. Wir blicken zurück auf einen Einsatz, in dem wir vielen Menschen helfen konnten, bei dem wir aber auch viel zurück bekommen haben. In den vergangenen Wochen haben die Helferinnen und Helfer aus unseren drei FAST-Teams über 3.500 Menschen behandelt - viele von ihnen Kinder. Geholfen haben uns dabei unsere Übersetzer, ohne die viele Begegnungen nicht möglich gewesen wären.
Besonders beeindruckt hat uns die Freundlichkeit, die Geduld und die Hoffnung der Menschen hier - der Flüchtlinge aus Syrien wie auch der nordirakischen Kurden. Und die Unterstützung durch unsere Familien, Freunde, ASB-Kollegen und die Spender, die unseren Einsatz möglich gemacht haben. Dazu gehören das Auswärtige Amt und Aktion Deutschland Hilft, jedoch auch und insbesondere viele ASB-Mitglieder und viele private Spender, die durch ihre Spenden unseren Einsatz und unsere Hilfe ermöglicht haben.

Ihnen allen sagen wir von ganzem Herzen DANKE.

Freitag, 7. Dezember

Heute ist unser letzter Tag im Camp Dormiz. Gestern Abend hat der Gouverneur von Dohuk uns empfangen und uns noch einmal offiziell für unseren Einsatz und unsere Hilfe gedankt. Es ist schön zu sehen und auch gesagt zu bekommen, dass unsere Hilfe hier wirklich einen Unterschied gemacht hat und dass etwas von unserer Arbeit bleibt, auch wenn wir nun nach Deutschland zurückkehren.

Morgen werden wir in Erbil das Cargo auf den Weg bringen - also alle Materialien, die wir wieder mit nach Deutschland nehmen und die wir heute zusammenpacken. Allerdings nehmen wir nicht alles wieder mit - denn unsere Zelte bleiben hier.

Da das Wetter in den vergangenen beiden Wochen schlecht war, sind die Arbeiten an der Gesundheitsstation nicht ganz fertig geworden. Bis das Dach angebracht und die Räume fertig eingerichtet sind, werden die lokalen Behörden die medizinische Arbeit in unseren Ambulanzzelten fortsetzen. Spätestens an Weihnachten soll dann er Umzug in die aus Stein gebaute Gesundheitsstation erfolgen.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Langsam merkt man, dass unser Einsatz am Ende dieser Woche zu Ende geht. Heute sind Dr.  Nezar Taib, der Generaldirektor für das nordirakische Gesundheitswesen sowie der deutsche Generalkonsul im Irak, Rolf Ulrich, zur offiziellen Übergabe in die Ambulanz gekommen. Auch unser Abteilungslieter, Harald Schottner, ist aus Deutschland für die offiziellen Abschlussarbeiten angereist.

Die Medikamente, die wir nicht verbraucht haben, das Ultraschallgerät und die Patienteninformationen werden von ihnen übernommen und in der zukünftigen Gesundheitsstation, die nebenan gebaut wird, eingesetzt.

Generalkonsul Ulrich lobte die Arbeit aller FAST-Teams. Auch Dr.Taib ist mit dem FAST-Einsatz sehr zufrieden. "Ich freue mich sehr über die qualifizierte Unterstützung der ASB-Freiwilligen und über die Hilfe, die Sie hier geleistet haben", sagte der Verantwortliche der lokalen Behörden. In unserer Bildergalerie seht ihr einige Fotos von der kleinen Zeremonie.

Montag, 3. Dezember 2012

Heute haben wir den Rollstuhl übergeben, den der ASB Mainz uns geschenkt hat. Die Dame, die ihnd ringend gebraucht hat, hatte ihre ganze Familie mitgebracht und alle haben sich sehr gefreut. Uns ist dabei wieder einmal bewusst geworden, wie viele Menschen unseren Einsatz hier unterstützen - mit ihren Gedanken, mit guten Wünschen und nicht zuletzt auch mit ihren Spenden. Dafür möchten wir herzlich Danke sagen.

Sonntag, 2. Dezember 2012

Unsere Kollegen vom ersten FAST-Team haben ein Zeitraffervideo davon gemacht, wie die Ambulanz aufgebaut wurde. Auch wenn für uns Ende dieser Woche der Abbau der Ambulanz ansteht, finden wir: Dieses Video unseres Kollegen Ferdinand Hofer verdient das Prädikat "ausgezeichnet". Hier könnt ihr es ansehen.

Freitag, 30. November 2012

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat neue Zahlen zur Situation hier im Flüchtlingslager veröffentlicht. Demnach kommen täglich zwischen 200 und 1.000 neue Flüchtlingen im Camp an. Allerdings bleiben nicht alle von ihnen hier, vor allem junge Männer ziehen weiter und versuchen, in den Städten Arbeit zu finden. Andere Familien haben Bekannte oder Freunde, bei denen sie nach einigen Tagen unterkommen können oder genug Geld, um sich ein Zimmer zu mieten.
Heute hatten wir zwei Notfälle, die wir in die Klinik überweisen mussten: ein kleiner Junge mit einer Kopfwunde und eine junge Frau mit einer akuten Entzündung des Bauchraums. Beide wurden mit der Ambulanz ins Krankenhaus gebracht.

Donnerstag, 29. November 2012

Wir haben weiterhin viele Patienten mit Erkältungen, Durchfall, bakteriellen Infektionen und gynäkologische Fälle. Hin und wieder machen wir auch kleinere operative Eingriffe, zum Beispiel bei eitrigen Wunden oder Schnittverletzungen. Heute waren besonders viele Kleinkinder und Babys mit ihren Eltern in der Ambulanz.

Auf dem Gelände nebenan entsteht die neue Gesundheitsstation. Täglich können wir sehen, wie schnell der Bau Fortschritte macht. Doch auch um uns herum wird viel gebaut - jeden Tag entstehen neue, winterfeste Steinhäuschen. Mittlerweile liegt unsere Ambulanz nicht mehr am Rande des Camps sondern mittendrin.

Dienstag, 27. November 2012

Bei den schwangeren Frauen im Camp scheint es sich herumgesprochen zu haben, dass unser Teamarzt, Dr. Daniel Peter, in seinem Alltag als Gynäkologe arbeitet. Die schwangeren Patientinnen fragen gezielt nach ihm und stellen ihm all ihre Fragen. Doch auch die anderen Teammitglieder haben viel zu tun.

Nachdem es in den vergangenen Tagen wieder häufig geregnet hat, kommen viele Patienten mit starken Erkältungen zu uns. Heute ist es zum Glück wieder sonnig, so dass die Wege im Camp trocknen können und die Menschen nicht mehr durch den tiefen atsch waten müssen.

Heute haben die Behörden auch neue Zahlen veröffentlicht. Demzufolge sind 57% der registrierten Flüchtlinge Frauen und Kinder, 43% Männer. Der Großteil der Bewohner des Camps ist zudem sehr jung: 27% der Frauen und 37% der Männer sind zwischen 18 und 29 Jahre alt.

Samstag, 24. November 2012

Auch wenn es heute nur noch wenig geregnet hat und am Nachmittag sogar die Sonne kurz herauskam, war das Camp eine einzige Matschwüste. Trotzdem kamen viele Patienten zu uns. Bis zur ersten Pause hatten wir bereits 80 Menschen untersucht und behandelt.

Gestern Abend ist das dritte FAST-Team in Dohuk angekommen. Heute haben die Mitglieder des zweiten Teams die Kolleginnen und Kollegen in die Arbeit in der Ambulanz eingeführt und ihnen die Patienten übergeben. Die Abendschicht haben sie bereits allein übernommen.

Das zweite Team verlässt Dormiz mit einem lachenden und einem weinenden Auge - lachend, weil sich alle auf ihre Familien und Freunde zu Hause freuen. Weinend, weil in den vergangenen 14 Tagen viele gute Begegnungen stattgefunden haben und alle beeindruckt sind von der Stärke und Hoffnung, die viele Flüchtlinge auch in ihrer großen persönlichen Not ausstrahlen.

Freitag, 23. November 2012

Heute regnet es den ganzen Tag immer wieder sehr stark. Dadurch weichen die Wege im Camp auf und alles wird matschig. Nun ist es noch schwerer, die Zelte und Hütten sauber zu halten. Es ist auch kälter geworden, viele Kinder laufen jedoch noch imer mit den dünnen Sandalen herum, mit denen sie im Sommer aus Syrien geflohen sind. Nicht alle Eltern finden Arbeit oder haben genug Erspartes, um warme Kleidung und Schuhe zu kaufen.

Heute kamen auch etwas weniger Patienten zu uns, da viele, die ihre Schmerzen aushalten können, nicht durch den strömenden Regen und den Matsch laufen wollen. Trotzdem ist genug zu tun. Vorhin kam wieder ein Patient mit Verbrennungen an den Händen. Viele der Flüchtlinge haben noch nie in einem Zelt übernachtet und sind ungeübt im Umgang mit Gaskochern. Vor allem Männer kommen auch mit Gelenkschmerzen. Nicht alle, die Arbeit auf dem Bau gefunden haben, sind an schwere körperliche Arbeit gewöhnt und leiden an Überlastungsschmerzen.

Donnerstag, 22. November

Heute Morgen sind wir etwas früher zum Lager gefahren und sind vom Eingang des Lagers aus zu Fuß zu unserer Ambulanz gegangen. Dabei konnten wir sehen, wie stark das Lager in den vergangenen Tagen gewachsen ist. Noch immer kommen täglich hunderte neue Flüchtlinge hier an.Geduldig warten die Menschen, bis sie registriert werden. Vor allem die Männer stehen in dieser Schlange, da sie als Familienoberhaupt alle Familienmitglieder eintragen lassen können.

Bei unserem Rundgang haben wir auch eine Familie getroffen, deren kleiner Sohn sich mit heißem Wasser überbrüht und sich dabei schwer verbrannt hatte. Seit fast zwei Wochen kommt die Mutter jeden Tag mit dem tapferen kleinen Jungen zum Verbandwechsel in die Ambulanz. Zum Glück heilen die schweren Verbrennungen gut. Auch wenn er noch immer starke Schmerzen hat, kann unser kleiner Patient wieder lachen.

Außerdem haben wir Shevin und ihre Kinder gesehen. Sie war vor einigen Tagen mit ihren zwei Kleinsten bei uns, weil diese stark erkältet waren und sehr stark husteten. Shevin hat uns erzählt, dass ihr Mann Arbeit auf einer Baustelle in einem nahegelegenen Dorf gefunden hat. Sie hofft, dass sie mit seinem Lohn bald bessere Schuhe für ihre Kindern kaufen kann.

Mittwoch, 21. November 2012

Als wir heute Morgen ins Lager fuhren, sahen wir wieder eine große Menschenmenge vor dem Registrierungsbüro des UN-Flüchtlingshilfswerks. Zurzeit kommen täglich bis zu 1.200 neue Flüchtlinge hier an – ein Zeichen dafür, dass die Lage in den traditionell von Kurden bewohnten Regionen sich deutlich verschlechtert hat und mehr Menschen gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen.

Einer unserer Übersetzer hat uns eingeladen, in der Pause seine Hütte zu besuchen. Er wollte nicht kämpfen und ist daher vor etwa drei Monaten gemeinsam mit seiner Frau und den beiden kleinen Kindern hierher geflohen. Nachdem sie die ersten Wochen in einem Zelt lebten, konnten sie nun in den Teil des Lagers umziehen, in dem bereits die winterfesten Steinhäuser stehen. Unser Kollege ist sehr stolz, dass er das Dach und den Vorplatz der Hütte selbst gebaut hat. „Eigentlich bin ich Agraringenieur und kenne mich mit Bauhandwerk nicht gut aus. Aber das Dach ist dicht und hält Regen, Schnee und die schlimmste Kälte ab.“

Dienstag, 20. November 2012

Heute kamen wieder einmal mehr als 150 Patienten in die Ambulanz. Eine von ihnen war eine junge Frau, die im neunten Monat schwanger ist. Sie hatte große Schmerzen und fürchtete, dass etwas mit dem Baby nicht in Ordnung ist. Gabi Boos vom ASB Worms konnte zum Glück feststellen, dass es dem Kind gut geht. Allerdings liegt es so, dass es mit seinen Beinen in die Leber seiner Mutter tritt. Die junge Frau war sehr erleichtert. Sie freut sich sehr auf ihr Baby und hofft, dass es in einer friedlicheren Zeit aufwachsen kann.

Außerdem kam ein Mann zu uns, der sehr starke Schmerzen im Bein hatte. Er hat Arbeit in einem Restaurant gefunden und muss den ganzen Tag stehen. Er will seine Arbeit nicht verlieren und kann sein Bein nicht gut schonen. Wie er versuchen viele Flüchtlinge hier im Lager, einen Job in einem der nahegelegenen Dörfer oder in der Stadt Dohuk zu finden. Denn die Preise für Lebensmittel, Hygieneartikel und Kleidung oder Handwerksgeräte sind in den letzten Wochen deutlich gestiegen und die Menschen sind auf jeden Cent angewiesen. Auch Sie können helfen. Spenden Sie jetzt

Freitag, 16. November 2012

Eine schwerbehinderte Frau im Rollstuhl ließ sich in der Ambulanz untersuchen. Unser Logistiker Milton vom ASB Mainz hat sich ihren Rollstuhl angeschaut. Er war ziemlich ramponiert. Milton hat ihn provisorisch repariert. Über einen Freund hat er außerdem einen gebrauchten Rollstuhl organisiert. Den wird das dritte ASB-Team nächste Woche für unsere Patientin mitbringen.

Mittwoch, 14. November 2012

Gestern waren auffallend viele Notfälle in der Ambulanz. - darunter ein Verdacht auf Blinddarmentzündung und ein kleines Mädchen, das mit einer schweren Verbrennung kam. Solche Notfälle können wir nur eingeschränkt in unserer Zeltambulanz behandeln. Deshalb sind die Kinder in das Krankenhaus von Dohuk überführt worden.

Die übrigen Patienten mussten wegen der Notfälle längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Grundsätzlich wird jeder Patient erst mal bei seiner Ankunft registriert und muss danach bis zur Behandlung im Wartezelt bleiben. Wir sind froh, dass wir im Austausch mit den Patienten auf die zuverlässige Hilfe unserer Übersetzer zurückgreifen können. Ohne sie wäre unsere Arbeit hier nicht möglich.

Montag, 12. November 2012

Das erste Team ist mittlerweile wieder in der Heimat eingetroffen. Erschöpft und doch zufrieden mit dem, was sie in Camp Dormiz erreicht haben. Täglich waren sie über zehn Stunden im Einsatz für ihre Patienten. Auch nach Sonnenuntergang ging in der ASB-Ambulanz die Behandlung der Flüchtlinge weiter. Mittlerweile nimmt auch die Gesundheitsstation der lokalen Behörden Gestalt an. Das Gebäude entsteht gegenüber unserem Ambulanzzeltes. Dort werden die Flüchtlinge nach unserer Abreise weiterhin medizinische Unterstützung erhalten.

Freitag, 9. November 2012

Heute ist das zweite ASB-Team in Erbil gelandet. Alle sind voller positiver Erwartungen und freuen sich auf den Einsatz. Ich bin mir sicher, heute Abend gibt es erstmal ein "großes Hallo", wenn das erste Team von seiner Schicht in der Ambulanz zurück ist. Wir werden dann in den nächsten Tagen die Übergabe von Team 1 an Team 2 vorbereiten, denn der Abflug des ersten Helferteams steht am Sonntag bevor.

Dienstag, 6. November 2012

Ilka Oberländer ist freiwillige FAST-Helferin vom ASB in Frankfurt. Heute schilderte sie mir eine Begegnung, die sie mit einer Mutter hatte, die mit ihrem fünf-monatigen Zwillingen zu ihren Patienten gehörte: "Die Kleinen hatten eine beginnende Lungenentzündung. Während des Abhörens der Kinder wurde die Mutter laut und schaute mich an. Ich fragte unseren Übersetzer was gerade passiert war, ob ich etwas falsch gemacht hätte. Er sagte mir, nein, ganz und gar nicht, sie würde für mich beten und sie sei so froh dass der ASB hier sei. Einen Kuss gab es dann auch noch dazu. Es fühlte sich sehr schön an, dass auch zwischenmenschliche Dinge passieren und wir die Menschen auch nonverbal erreichen", erzählte Ilka mir nach ihrer Schicht.

Montag, 5. November 2012

Endlich sind unsere eigenen Ambulanz-Zelte angekommen und wir bauen die geplante zweite medizinische Ambulanz hier im Camp auf. Bisher haben wir mit den Kollegen von Ärzte ohne Grenzen zusammengearbeitet und bereits zahlreiche Patienten behandelt - vor allem Kinder und Frauen. Bald können wir unser Engagement weiter ausbauen und mehr Menschen behandeln.

Das ist auch nötig, denn schon früh am Morgen, wenn wir ins Flüchtlingslager kommen, ist der Wartebereich der Ambulanz voll. Viele Patienten leiden unter Durchfallerkrankungen, Infekten und Atemwegserkrankungen. Außerdem leiden vor allem die Kinder zusätzlich unter den staubigen Straßen des Camps.

Freitag, 2. November 2012

Viele unserer kleinen und großen Patienten leiden unter Atemwegserkrankungen, andere haben Durchfallerkrankungen. Auch kleine chirurgische Eingriffe gehören zu unseren Aufgaben. Einige Patienten haben in den vergangenen Tagen zugestimmt, dass wir sie fotografieren, um den Menschen in Deutschland einen Einblick in unsere Arbeit zu ermöglichen. Diese Fotos haben wir in die Bildergalerie hochgeladen. Wir finden, sie vermitteln einen guten Eindruck von der Situation der Flüchtlinge, die in ihrer Heimat alles hinter sich gelassen haben, um hier in Dormiz Zuflucht zu suchen.

Mittwoch, 31. Oktober 2012

Mittlerweile sind wir als Team gut eingespielt und arbeiten sehr gut mit dem Team von Ärzte ohne Grenzen zusammen. Auch die Zusammenarbeit mit unserem Dolmetscher klappt gut. So können wir uns gut mit den Patienten verständigen. Die erste Schicht beginnt morgens um 8 Uhr, die letzte Schicht endet um 22 Uhr. Wir haben viele Patienten und alle sind dankbar dafür, dass sie in der Ambulanz Hilfe bekommen.

Montag, 29. Oktober 2012

Wir sind gestern Nachmittag gut in Erbil angekommen und nach Dohuk weitergefahren. Heute morgen sind wir dann ins Flüchtlingslager Dormiz aufgebrochen und haben uns einen ersten Eindruck von der Lage verschafft. Da unsere eigene Ambulanz noch nicht einsatzfähig ist, können wir in der Krankenstation von Ärzte ohne Grenzen mitarbeiten. In verschiedenen Teams unterstützen wir das Ambulanzteam seit 15 Uhr und morgen zwischen 8 und 22 Uhr.

Auch die Kinder freuen sich sehr, dass wir da sind. Anja, Ilka und Lars haben einige freie Minuten genutzt, um mit ihnen gemeinsam zu singen und zu tanzen. Alle hatten großen Spaß an der kleinen Aktion. So können die Kinder für einige Minuten ihre Sorgen vergessen und ganz Kind sein.

Samstag, 27. Oktober 2012

Briefing in Frankfurt: Allen Teammitgliedern steht die freudige Erwartung ins Gesicht geschrieben. Endlich kann unser Hilfseinsatz losgehen. Einige von uns haben vor der Abreise ihren lokalen Medien Interviews gegeben. Und auch hier in Frankfurt ist das Interesse der Pressevertreter groß. Wir freuen uns, wenn durch die Berichte die Lage der Flüchtlinge ins Bewusstsein der Menschen rückt. Und natürlich freuen wir uns auch, wenn durch die Berichte Menschen motiviert werden, für den Einsatz des ASB zu spenden. Das geht übrigens auch online - gleich hier.

Freitag, 26. Oktober

Die Koffer - bzw. die Boxen - sind fast alle gepackt.  Morgen Abend treffen wir uns mit dem FAST-Team in Frankfurt/Main zum Briefing. Das heißt, wir bringen alle auf den neuesten Stand und sprechen wichtige Details durch. Am Sonntag morgen geht dann der Flieger nach Erbil. Wir freuen uns, dass wir den Flüchtlingen aus Syrien helfen können.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Im Flüchtlingslager Dormiz sind in den vergangenen Wochen tausende neue syrische Flüchtlinge angekommen. Mittlerweile leben rund 30.000 Menschen in den provisorischen Unterkünften und warten auf Hilfe. Daher entsendet der ASB sein Schnelleinsatzteam FAST. Die ASB-Helfer werden die lokale Behörden bei der medizinischen Versorgung der Flüchtlinge im Camp unterstützen. Ein erstes Team mit acht Helferinnen und Helfern wird am kommenden Sonntag, 28.10.2012, in den Nordirak aufbrechen. Zwei weitere Teams bereiten sich darauf vor, die acht Helfer nach zwei beziehungsweise vier Wochen abzulösen. Finanziert wird der Hilfseinsatz aus Mitteln des Auswärtigen Amts und von Aktion Deutschland Hilft.

In den kommenden sechs Wochen werden die FAST'ler hier von ihren Erfahrungen berichten. Der ASB war bereits im August 2012 im Flüchtlingslager Dormiz im Hilfseinsatz und überreichte dort Medikamente an die zuständigen Behörden. Unterhalb der aktuellen Einträge finden Sie daher das Einsatztagebuch aus dem August.

Donnerstag, 9. August 2012

Wir sind zurück. Ich bin müde, aber glücklich. Doch noch gehen mir die Geschichten der syrischen Flüchtlinge im Kopf herum. Ich bin dankbar, dass ich meinen Teil dazu beitragen konnte, dass der ASB schnell und unbürokratisch Hilfe geleistet hat. Das ist möglich dank eines guten Netzwerks der Hilfe - zum Beispiel über Aktion Deutschland Hilft. Vor allem aber dank unserer Mitglieder und Spender. Nur weil sie dem ASB vertrauen und dank ihrer finanziellen Unterstützung ist es möglich, in Einsatzfällen wie diesen schnell zu helfen. Daher möchte ich an dieser Stelle allen, die gespendet haben, herzlich danken. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir diese Unterstützung auch in Zukunft genießen - damit wir weiterhin schnell, flexibel und zielgerichtet helfen können. Denn die Krise in Syrien ist noch lange nicht vorüber.

Mittwoch, 8. August 2012

Heute geht unser Einsatz hier im Nordirak ersteinmal zu Ende. Wir haben die Medikamente an die Verantwortlichen für das Flüchtlingslager übergeben und mit vielen Menschen gesprochen, die sich um die Flüchtlinge aus Syrien kümmern. Die Solidarität der Bevölkerung und der Einsatz der regionalen und lokalen Behörden ist unglaublich. Alle helfen mit, um den Menschen, die alles hinter sich gelassen haben und einer ungewissen Zukunft entgegensehen, so gut es eben geht zu helfen. Zurzeit wird unsere Trinkwasseraufbereitungsanlage nicht benötigt. Allerdings bleiben wir in engem Kontakt mit den Verantwortlichen hier im Nordirak, um bei Bedarf jederzeit helfen zu können.

Die Kollegen unserer Partnerorganisationen von Aktion Deutschland Hilft, die zurzeit die Lage in Jordanien und im Libanon erkunden und dort - so wie wir hier im Nordirak - erste Hilfsmaßnahmen umsetzen - berichten, dass dort viele Flüchtlinge ankommen und auch nur wenig retten konnten. Wir stehen in engem Kontakt mit diesen Kollegen und helfen, wenn wir gebraucht werden. In den vergangenen Tagen habe ich mit vielen Menschen gesprochen, deren Leben durch die Gewalt in Syrien eine unvorhersehbare Wende genommen hat.
Dabei haben wir viel Unterstützung erhalten. Viele Türen hier im Nordirak haben sich für uns auch deshalb geöffnet, weil der ASB bereits in den 1990er Jahren hier große und erfolgreiche Hilfsprojekte für kurdische Flüchtlinge umgesetzt hat.

Dienstag, 7. August 2012

Eigentlich wollte ich gestern noch Fotos hochladen von der Übergabe der Medikamente. Aber leider spielt die Technik hier gerade nicht mit. Daher erstmal nur als Text: Die Menschen im Camp haben sich sehr über die offizielle Übergabe der Medikamente an die Krankenstation gefreut. Die ersten Tabletten konnten direkt von den Ärzten verordnet werden. Die Menschen hier im Flüchtlingslager Dormiz sind unglaublich geduldig. Auch wenn Ihnen erstmal alles fehlt - sie freuen sich sehr, dass sie überlebt haben und dass die Menschen hier im Nordirak Ihnen mit so viel Soldiarität begegnen und sie unterstützen, wo es nur geht.

Gestern Abend habe ich mich noch länger mit unserem Übersetzer unterhalten. Auch er ist aus Syrien geflohen - schon vor einigen Monaten. Da er mehrere Sprachen fließend spricht und ein Organisationstalent ist, hat die Regionalverwaltung ihn als Teilzeitkraft verpflichtet. Er freut sich, dass er so ein wenig Geld für seine Familie verdienen kann. Und er ist sehr froh, dass er auf diese Weise andere Flüchtlinge unterstützen kann.

Update: Endlich hat die Technik mitgemacht. In der Bildergalerie gibt es jetzt auch ein Foto von der offiziellen Übergabe der Medikamente an die lokalen Verantwortlichen.

Montag 6. August 2012

Heute werden wir unsere Medikamente an das Flüchtlingslager übergeben. Die örtlichen Behörden haben eine Krankenstation errichtet, die jeden Vormittag Patienten behandelt. Nachmittags bis tief in die Nacht hinein sind Helfer von Ärzte ohne Grenzen vor Ort, die die Behandlung weiterführen. Die Ärzte haben uns erzählt, dass sie bisher zum Glück noch keine Schussverletzungen behandeln mussten. Am häufigsten sind Erkrankungen der Atemwege. Durchschnittlich 130 Patienten suchen jeden Tag die Krankenstation auf. Die Trinkwasserversorgung hier im Camp wird zurzeit von UNICEF sichergestellt.. Jede Familie (das heißt, 5- 6 Personen) bekommt 1000 Liter sauberes Wasser pro Tag. Zusätzlich werden gerade 5 weitere Bohrlöcher gegraben, um an das Grundwasser zu kommen.

Sonntag, 5 August 2012

Mitten in der Nacht sind wir am Flughafen in Erbil angekommen. Dort hat uns ein Verantwortlicher der Regionalregierung abgeholt und in ein Hotel gebracht. Wir haben drei Stunden geschlafen, dann ging es weiter. Unser Übersetzer heißt Ali und spricht fließend deutsch. Auch die Zusammenarbeit mit unserer Kollegin Marina von der Organisation Arche Nova läuft sehr gut. Gemeinsam fahren wir nach Dohuk. Unterwegs passieren wir 5 Checkpoints. Überall werden wir mit unseren Hilfsgütern problemlos durchgelassen. Schon so früh am Morgen ist es fast 40°C warm, die Sommerhitze hat die Landschaft, durch die wir fahren, ausgedörrt, alles ist karg und staubig.

Update:
In Dohuk treffen wir den Leiter der DDM, der Regierungsbehörde der Kurden, die sich um alle Vertriebenen und Flüchtlinge kümmert. Mohammed Hamo ist ein freundlicher, circa 50 Jahre alter Mann mit ruhiger Ausstrahlung. Er spricht französisch mit uns und informiert uns über die aktuelle Situation.

Zurzeit leben circa 7.600 Menschen in einem Flüchtlingslager einige Kilometer außerhalb der kleinen Stadt. Alle Flüchtlingsfamilien, die hier über die Grenze aus Syrien kommen, sind Kurden. Nach dem Gespräch brechen wir gemeinsam zum Flüchtlingslager Dormiz auf. Vor dem Camp steht eine kleine Siedlung mit einfachen Betonbungalows. Dies ist das Flüchtlingslager, in dem im Jahr 2003 Binnenflüchtlinge untergebracht wurden.

Daneben sieht man zahlreiche Zelte, die vom UNHCR, dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen aufgebaut worden sind. Der Aufbau des Flüchtlingslagers ist gut geregelt. Familien sind zusammen untergebracht, alleinstehende Männer auf einem anderen Teil der Geländes. Entgegen anderslautender Medienberichte sind die Grenzen zwischen dem Nordirak und Syrien geöffnet. Auch heute kommen wieder neue Flüchtlinge an und suchen Zuflucht. Wir werden jetzt mit den Verantwortlichen klären, wie unsere Medikamente am besten zum Einsatz kommen und ob weitere Hilfe benötigt wird.

Samstag 4. August 2012

Heute geht es los - gemeinsam mit meinem Kollegen Ivan fliege ich zum Assessment in den Nordirak. Das heißt, wir bringen dringend benötigte Medikamente und erkunden die Lage an der Grenze zu Syrien. Die Zahlen, die wir bekommen haben, sagen, dass in der Grenzregion mehr als 12.000 syrische Flüchtlinge und bis zu 80.000 irakische Rückkehrer gestrandet sind und Hilfe brauchen. Auch die Rückkehrer benötigen Unterstützung. Die meisten von ihnen haben so lang in Syrien gelebt und gearbeitet, dass sie kein Zuhause im Irak haben, in das sie fliehen können. Im ASB-Büro in Köln packen wir die letzten Dinge ein.

Die Medikamente von Action medeor wurden zum Glück bereits gestern gepackt. Wichtig ist auch unser Zelt mit dem Moskitonetz. Ganz zum Schluss packen wir noch einige extra T-Shirts ein. Der aktuelle Wetterbericht für die Grenzregion zwischen Irak und Syrien sagt Temperaturen zwischen 40 und 43°C voraus. Da können einige zusätzliche T-Shirts zum Wechseln nicht schaden. Im Flugzeug werden wir gleich außerdem eine Kollegin von Arche Nova treffen. Ihre Organisation ist genauso wie der ASB Mitglied beim Bündnis Aktion Deutschland Hilft. Gemeinsam werden wir prüfen, was die Flüchtlinge und die Rückkehrer, die in den Flüchtlingslagern gestrandet sind, am dringendsten benötigen und weitere Hilfen vorbereiten.

Ich habe sogar ein Fernsehinterview gegeben - für die WDR-Lokalzeit. Hier könnt ihr es euch ansehen.