Gegen Gleichgültigkeit und für eine tolerante ASJ
Demokratie und eine tolerante Gesellschaft sind keine Selbstverständlichkeit. Sie müssen immer wieder neu gelebt und verteidigt werden. Aus dieser Überzeugung heraus unternahm die Arbeiter-Samariter-Jugend Deutschland im Juli 2025 eine fünftägige Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz und Krakau. Wir wollten uns intensiv mit den Verbrechen der NS-Zeit auseinandersetzen, die Anfänge menschenfeindlicher Entwicklungen erkennen und daraus Schlüsse für Positionierungen und unser Handeln als Asjler:innen ziehen.
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Von Leipzig nach Oświęcim – Auf den Spuren der Geschichte
24 ASJler:innen trafen sich in Leipzig und reisten gemeinsam nach Oświęcim, dem Ort des ehemaligen deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Bereits am Ankunftstag besuchten wir einen Vorbereitungsworkshop: Wir lernten mehr über den Aufbau des Lagers, über die menschenverachtenden Ideologien der NS-Zeit, mit denen Gruppen wie politische Gegner:innen, Jüd:innen, Sinti und Roma sowie Menschen mit Behinderungen zu „Feinden“ erklärt wurden und erfuhren, wie das mörderische System gerechtfertigt wurde. Am Samstag folgte eine mehrstündige Führung durch die Gedenkstätte. In Auschwitz I verdeutlichten Ausstellungen persönlicher Gegenstände – Koffer, Schuhe, Kochutensilien, Prothesen, eindrucksvoll das Schicksal der Opfer. Die Spuren im Lager Birkenau, von den Zuggleisen bis zu den Überresten der Gaskammern, zeigten in bedrückender Klarheit die Systematik des Massenmordes. Für viele Teilnehmende war dieser Ort der erschütterndste Moment der Reise, da dort die grausamen Ausmaße sichtbar und real wurden. “Ich habe so viel darüber gelernt, aber es ist ein riesen Unterschied es auch so zu sehen”, schrieb eine Teilnehmerin nachher.
„Seid nicht gleichgültig“ – Die Stimme der Überlebenden
Ein Nachbereitungsworkshop am Sonntag gab den Überlebenden eine Stimme. Besonders bewegend waren die Worte von Marian Turski, selbst Überlebender von Auschwitz, der Anfang 2025 verstarb. In einer seiner letzten Reden formulierte er das „11. Gebot“: Seid nicht gleichgültig. Er schilderte, dass nicht Hunger oder Schmerz, sondern die ständige Erniedrigung und Entmenschlichung ihn ein Leben lang begleitet hat. Eine Teilnehmerin schrieb in ihner Reflexion, dass sie nun mit viel Mut und Entschlossenheit nach dieser Gedenkstättenfahrt, auf Diskriminierung hinweisen möchte. Denn „Auschwitz ist nicht vom Himmel gefallen”, wie Marian Turski ebenfalls sagte, sondern entwickelte sich schleichend, beginnend mit der Ausgrenzung von Menschen.
Krakau – Erinnerung im Stadtraum
Im Anschluss reiste die Gruppe nach Krakau. Eine Stadtführung führte durch das jüdische Viertel, in eine Synagoge und auf einen jüdischen Friedhof. Dabei wurde deutlich, dass selbst die Verbrennung der ermordeten Jüd:innen Teil der spirituellen Gewalt war, denn im jüdischen Glauben ist es wichtig, dass der Körper nach dem Tod unversehrt bleibt. Für viele war dieses Detail besonders erschütternd, da sich auf diese Art der verübte Schmerz und das Leid über den Tod hinaus wirkt.
Unser Auftrag für die Zukunft
Die Reise hat den Teilnehmer:innen verdeutlicht, dass nicht nur jeder Mensch Respekt und Toleranz verdient, sondern wir uns gemeinsam aktiv dafür einsetzen müssen, dass dieser Gedanke auch gelebt wird. Denn Gleichgültigkeit ist keine Option. Wir wollen auch in Zukunft ganz nach unserem ASJ-Leitbild handeln und „Menschen ungeachtet ihres Alters schützen und sie vor seelischem Schaden, Gewalt und Missbrauch bewahren“, indem wir aufmerksam auf Missstände und Intoleranz hinweisen, uns gegen sie stark machen – und gemeinsam für eine offene, menschenfreundliche Gesellschaft eintreten.
Text: Robin Wolff (ASJ Rhein-Erft Düren) und Hannah Zander (Referentin für Jugendverbandsarbeit, ASJ Deutschland)