Klimaresiliente Wasserversorgung: ASB bringt Erfahrungen aus 13 Ländern in die Politik
Wie können Menschen auch unter den Folgen des Klimawandels verlässlich mit sauberem Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene versorgt werden? Der ASB bringt dazu Erfahrungen aus einem dreijährigen internationalen Projekt in die politische Debatte ein. Bei einer Fachveranstaltung am 7. Oktober in Berlin diskutierten Partner, Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft und Geberorganisationen, was jetzt für eine klimaresiliente Wasser- und Sanitärversorgung notwendig ist.
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Berlin, 7. Oktober 2026 - Dürren, Überschwemmungen und andere Extremwetterereignisse verschärfen in vielen Regionen der Welt die Probleme beim Zugang zu sauberem Wasser und sicheren Sanitär- und Hygieneeinrichtungen. Bereits heute haben weltweit 2,1 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und 3,4 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherer Sanitärversorgung. Besonders gravierend sind die Folgen in einkommensschwachen, fragilen und katastrophenanfälligen Regionen.
Wie humanitäre Hilfe darauf reagieren muss, stand im Mittelpunkt der Veranstaltung „From Evidence to Climate Action – Connecting Policy, Practice and Partnerships for ClimateResilient WASH“. Der Arbeiter-Samariter-Bund organisierte das Treffen gemeinsam mit arche noVa und der German Toilet Organization im Rahmen des WASH-Netzwerks und des ECT-WASH-Projekts. Für den ASB geht es dabei vor allem darum, Erfahrungen aus der konkreten Projektarbeit in die politische Debatte einzubringen: Welche Lösungen funktionieren vor Ort? Welche politischen Rahmenbedingungen sind notwendig? Und wie können erfolgreiche Ansätze dauerhaft finanziert und auf andere Regionen übertragen werden?
Rund 545.000 Menschen in 13 Ländern
Grundlage dafür sind die Erfahrungen aus dem internationalen ECT-WASH-Projekt des ASB. Seit 2023 setzt der ASB das Projekt gemeinsam mit arche noVa, der German Toilet Organization und nationalen Partnerorganisationen in 13 Ländern in Afrika, Asien, dem Nahen Osten und Zentralamerika um. Rund 545.000 Menschen in 129 Gemeinden und Dörfern sollen erreicht werden. Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von rund 12,27 Millionen Euro und wird vom Auswärtigen Amt und Aktion Deutschland Hilft finanziert. Der ASB leitet das Konsortium.
Dabei geht es nicht allein um den Bau von Brunnen oder Sanitäranlagen. ECT WASH verbindet Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung mit Klimaanpassung, Katastrophenvorsorge, Frühwarnsystemen und vorausschauender humanitärer Hilfe. Gemeinden, lokale Organisationen und Behörden werden einbezogen, damit die entwickelten Lösungen langfristig funktionieren und Menschen besser auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet sind.
Wie unterschiedlich diese Lösungen aussehen können, zeigen die Erfahrungen aus den Projektländern: Auf den Philippinen wurden unter anderem Regenwassersysteme für Haushalte und Evakuierungszentren eingerichtet. In Nicaragua erfassen Freiwillige Niederschlagsdaten als Grundlage für lokale Frühwarnsysteme. In Honduras unterstützt Tröpfchenbewässerung Kleinbäuer:innen dabei, auch mit zunehmend unzuverlässigen Niederschlägen umzugehen.
„Klimaresilienz lässt sich nicht von außen verordnen, sie entsteht dort, wo Menschen ihre eigenen Erfahrungen und ihr Wissen einbringen und Verantwortung für Lösungen übernehmen können. Genau deshalb war der systematische Austausch von Wissen und evidenzbasierten Erkenntnissen ein so wichtiger Bestandteil des Projekts.“
Edith Wallmeier, Geschäftsführerin Einsatzdienste & Bildung beim ASB-Bundesverband
Aus Projekterfahrungen werden politische Forderungen
Das WASH-Netzwerk stellte auch das neue gemeinsame Positionspapier„Klimaresilientes WASH: Unverzichtbar für globale Stabilität“ vor. Der ASB gehört dem Netzwerk an und ist über das ECT-WASH-Projekt an der Erarbeitung beteiligt.
Darin fordert das WASH-Netzwerk unter anderem, den Abwärtstrend bei der Finanzierung von Entwicklungszusammenarbeit und Humanitärer Hilfe zu stoppen. WASH müsse als unverzichtbarer Bestandteil von Klimaanpassung stärker in der internationalen Klimapolitik berücksichtigt und entsprechend finanziert werden.
Eine konkrete Forderung richtet sich an die deutsche Entwicklungszusammenarbeit: Der Anteil der WASH-Finanzierung soll wieder auf zehn Prozent steigen. Zugleich sollen zivilgesellschaftliche Organisationen gestärkt und besonders vulnerable und fragile Staaten beim Zugang zu Klimafinanzierung stärker berücksichtigt werden.
Entscheidend ist aus Sicht des ASB zugleich, die Menschen und Organisationen vor Ort einzubeziehen. Klimaresiliente WASH-Maßnahmen müssen sich an den konkreten Risiken und Lebensrealitäten der jeweiligen Gemeinden orientieren. Lokale Organisationen und Betreiber brauchen dafür verlässliche Finanzierung und eine stärkere Beteiligung an Planung und Umsetzung.
Wasser- und Sanitärversorgung schafft Resilienz
Die Erfahrungen aus ECT WASH zeigen: Eine verlässliche Wasser- und Sanitärversorgung schützt nicht nur Gesundheit und Lebensgrundlagen. Sie hilft Gemeinschaften auch dabei, sich besser auf Krisen und Extremwetterereignisse vorzubereiten und deren Folgen zu bewältigen.
Das Positionspapier bringt diesen Zusammenhang auf den Punkt: „Investitionen in WASH sind Investitionen in Sicherheit – global, national und menschlich.“
Mit der Veranstaltung in Berlin will der ASB gemeinsam mit seinen Partnern dazu beitragen, dass Erkenntnisse aus der praktischen humanitären Arbeit stärker in politische Entscheidungen einfließen. Ziel ist es, klimaresiliente Wasser-, Sanitär- und Hygieneversorgung langfristig stärker in Klimapolitik, humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit zu verankern.
Mehr erfahren: Auf der ECT-WASH-Projektseite des ASB finden sich Informationen zu allen 13 Projektländern sowie Fact Sheets, Impact Reports und Lessons Learned. Einen Überblick über die internationale Arbeit des ASB gibt die Seite ASB-Auslandshilfe.
Finden Sie hier das Positionspapier zum Download:
( PDF / 1.665,32 KB )
( PDF / 1.615,92 KB )
Von der Praxis zur Politik
Kurze Vorträge zu bewährten Verfahren und gewonnenen Erkenntnissen aus ausgewählten ECT-WASH-Projektländern, gehalten von lokalen Verantwortlichen virtuell und vor Ort.
( PDF / 5.602,87 KB )
( PDF / 1.712,64 KB )
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