Arbeiter-Samariter-Bund
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Kriseninterventionsdienst

Psychosoziale Notfallversorgung

15 bis 20 Prozent aller Todesfälle geschehen unerwartet. Die Hinterbliebenen sind mit der Situation oft überfordert. Das ASB-Kriseninterventionsteam (KIT) hilft ihnen.

Ein Mitarbeiter des Kriseninterventionsteams betreut den Angehörigen eines Unfallopfers.

Wenn Menschen nach einem Notfall unter starker seelischer Belastung stehen, helfen ihnen die Mitarbeiter der Krisenintervention des ASB.

Bild: ASB/M. Meyer

Ein Herzinfarkt, ein Verkehrsunfall oder Suizid: Dies können die Ursachen für den plötzlichen Tod eines Menschen sein. Angehörige, Freunde und Zeugen trifft der Tod meist unerwartet. Die Hinterbliebenen bleiben oft allein und hilflos zurück. Hier helfen die Mitarbeiter der Kriseninterventionsteams des ASB.

Die speziell dafür ausgebildeten KIT-Mitarbeiter sind erfahrene Einsatzkräfte des Rettungsdienstes. Sie leisten durch ihre unaufdringliche Anwesenheit im Notfall Unterstützung, bauen eine Beziehung zu den traumatisierten, trauernden Menschen auf und schaffen so Raum für deren Trauer.

Interview:

Damit aus Trauer kein Trauma wird

Peter Zehentner, Leiter des ASB-Kriseninterventionsteams in München, und Andreas Müller-Cyran, der Begründer des ersten KIT weltweit, berichten in ihrem Buch "Wenn der Tod plötzlich kommt" über ihre Erfahrungen und Erlebnisse. Im Interview erklärt Peter Zehentner, warum er das Buch geschrieben hat.

In Ihrem Buch schildern Sie, wie überrascht selbst 85-Jährige über den plötzlichen Tod des Partners sind. Warum ist das so?

Der Tod wird in unserer Gesellschaft tabuisiert. Er ist aus unserem Leben verschwunden. Der Leichenwagen wird am besten noch getarnt. Früher gab es zum Beispiel die Tradition der Aufbahrung zu Hause. Der Verlust dieser Traditionen hat uns viele Möglichkeiten genommen, den Tod eines geliebten Menschen zu verarbeiten und damit umzugehen.

Haben Sie deshalb dieses Buch geschrieben?

Wir erleben in unserer Arbeit immer wieder, dass Menschen sagen: "Hätte ich das alles nur vorher gewusst!" Deswegen entstand die Idee, Fachinformationen mit Geschichten zu verknüpfen, die sich auch gut lesen lassen. Und zwar Geschichten, die anonymisiert, aber so passiert sind.

Wie erklären die KIT-Mitarbeiter den Hinterbliebenen, was gerade mit ihnen passiert?

Wir sagen den Menschen, dass die Reaktionen, die sie zeigen, erst einmal normal sind. Nicht normal ist das Ereignis. Denn der Tod eines nahen Angehörigen ist nicht alltäglich. Es geht um Reaktionen wie: "Ich kriege die Bilder und Geräusche gerade nicht aus dem Kopf." Unser Gehirn braucht viel Kapazität, um so mächtige und existenzielle Informationen zu verarbeiten. Und dies dauert oft ein paar Tage oder auch Wochen.

Wir raten den Betroffenen, sich professionelle Hilfe zu holen, wenn es ihnen nach drei Monaten nicht besser geht. Denn von alleine wird sich dann ihr Zustand nicht mehr bessern.

Wie helfen Sie den Angehörigen außerdem?

Oftmals haben die Betroffenen selbst keine Idee, was der nächste Schritt sein kann. Dann fragen wir sie: "Was möchten Sie jetzt tun?" Die Bedürfnisse sind sehr unterschiedlich. Kinder wollen oft aktiv werden und mit uns Fußball spielen. Erwachsene wollen oft jemanden bei sich haben, der ihnen persönlich nahe ist. Wir helfen ihnen dann, diesen Menschen zu kontaktieren.

Wie verhindert KIT, dass aus der Trauer ein Trauma wird?

Wir ermutigen die Hinterbliebenen, sich von dem Toten zu verabschieden. Wir bleiben bei ihnen, bis sie aktiv werden. Die Phase der Hilflosigkeit wird von vielen Betroffenen rückblickend als die schlimmste beschrieben. Unser Ziel ist es daher, ihnen schnell wieder zur eigenen Handlungsfähigkeit zu verhelfen.

Wie kann ich einem Freund helfen, der gerade eine Todesnachricht erhalten hat?

Fragen Sie den Freund einfach, wie Sie ihm helfen können. Bieten Sie ihm Ihre Dienste an. Kochen Sie, erledigen Sie für ihn notwendige Aufgaben. Vielleicht ist es aber auch gut, mit dem Trauernden einfach Zeit zu verbringen. Wichtig ist, alles in Absprache mit dem Betroffenen zu machen. Er sollte sich nicht hilflos oder fremdbestimmt fühlen.

Das Interview führte Astrid Königstein. November 2013.

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