Illustration Resilienz
Bevölkerungsschutz und Katastrophenprävention

ASB-Resilienzprogramm – Selbstschutz gemeinsam stärken

Im ASB-Resilienzprogramm haben sich Akteure des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), der Katastrophenforschungsstelle (KFS) der Freien Universität Berlin und der Hochschule Bielefeld (HSBI) mit Herausforderungen und Möglichkeiten beschäftigt, wie individuelle aber auch die gemeinschaftliche Widerstandsfähigkeit gestärkt werden kann. Es zielt darauf ab, kommunale Resilienz auf Basis sozialwissenschaftlicher Forschung zu stärken und regional angepasste Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge zu entwickeln, zu evaluieren und umzusetzen. Gefördert durch die Aktion Deutschland Hilft (ADH), liegt ein Fokus des Programms in den betroffenen Regionen der Flut 2021, aber auch in anderen Regionen wurde über verschiedene Herangehensweisen versucht, Antworten auf die oben genannten Fragestellungen zu formulieren.

Bewusstsein schärfen und Selbstschutzfähigkeit stärken

Der ASB-Bundesverband hat im Zuge eines Projekts zum Hochwasser 2021 gefördert durch „Aktion Deutschland hilft“ (ADH) und den Kooperationspartnern der „Katastrophenforschungsstelle“ (KFS) der FU Berlin und der „Hochschule Bielefeld“ (HSBI) im Februar 2024 das ASB-Resilienzprogramm gestartet. Ziel war es, die Bevölkerung im Zusammenspiel mit Kommunen und Hilfsorganisationen in ihren Selbstschutzfähigkeiten zu stärken und bei der Vorbereitung auf Notlagen in ihrer gemeinschaftlichen Resilienz zu stärken.

In drei Pilotregionen (Erftstadt, Mechernich und Neustadt in Sachsen) wurden so nicht-repräsentative quantitative Befragungen durchgeführt. Ergänzt wurden diese durch qualitative Voruntersuchungen (Akteursgespräche, Round Tables) sowie partizipative Stakeholder-Workshops. Um explizite Perspektiven vulnerabler Bevölkerungsgruppen mit aufzugreifen, wurden zusätzlich Fallstudien zur Resilienzstärkung unter Wohnungslosen sowie in Pflegeheimen durchgeführt.

Das übergeordnete Ziel besteht darin, Betroffene zu befähigen, sich selbst und andere zu unterstützen sowie in Notlagen Schutzmaßnahmen zu ergreifen oder Hilfe zu organisieren. Gemeinschaftliche Strukturen sollen so auch über das Katastrophenszenario hinaus gestärkt werden (Resilienzkreis). Den grundlegenden theoretischer Rahmen, bildet das Konzept der „Community Resilience“. Was aber verstehen wir eigentlich unter Resilienz und was unter „Community Resilience?

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Was ist Resilienz?

Resilienz beschreibt laut des UNDRR die Fähigkeit eines Systems, einer Gemeinschaft oder einer Gesellschaft, die Gefahren ausgesetzt ist, den Auswirkungen von Gefahren zu widerstehen, diese zu bewältigen, sich daran anzupassen, sich gegebenenfalls zu transformieren und sich rechtzeitig sowie wirksam davon zu erholen, wobei ihre wesentlichen Strukturen und Funktionen durch ein wirksames Risikomanagement erhalten oder wiederhergestellt werden.

Auf Ebene des Individuums bedeutet das also, wie gut sie mit Stress, Belastungen und (unvorhersehbaren) Veränderungen umgehen können, ohne dabei zu stark beeinträchtigt zu werden. das heißt, ohne ihre innere Stabilität zu verlieren, psychisch oder körperlich ernsthaft zu leiden oder im Alltag handlungsunfähig zu werden.

Wir im ASB verstehen die Menschen seit jeher als Teil einer Gemeinschaft. Und so formen resiliente Menschen auch eine resiliente Gesellschaft und umgekehrt. Im Zentrum unserer Betrachtung steht deshalb die Gemeinschaft als Ganzes und diese so zu stärken, dass sie auf Herausforderungen gemeinsam reagieren und sich gut behaupten kann.

Der Ansatz der Community Resilience

Community Resilience beschreibt die Fähigkeit einer Gemeinschaft, Krisen, Katastrophen und andere Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen. Sie basiert auf starken sozialen Netzwerken, gegenseitiger Unterstützung und der Fähigkeit, sich an veränderte Bedingungen anzupassen. Dadurch können negative Auswirkungen begrenzt, notwendige Veränderungen umgesetzt und gewohnte Strukturen möglichst schnell wiederhergestellt werden.

Da Gemeinschaften vielfältig sind und unterschiedliche Bedürfnisse, Erfahrungen und Ressourcen mitbringen, ist es schwierig allgemeingültige Lösungen für Vorsorge und Krisenbewältigung zu formulieren. Community Resilience setzt deshalb auf die aktive Beteiligung der Menschen vor Ort. Lokales Wissen, persönliche Erfahrungen und die Perspektiven der Bürgerinnen und Bürger werden als wichtige Ressourcen anerkannt und in Vorsorgeprozesse einbezogen.

Im Mittelpunkt stehen der Aufbau von sozialem Zusammenhalt, solidarischen Beziehungen und inklusiven Strukturen. Und das nicht erst nach einer Krise, sondern bereits im Vorfeld. So entstehen widerstandsfähige Gemeinschaften, die besser auf unterschiedliche Gefahren vorbereitet sind, flexibel auf unerwartete Entwicklungen reagieren können und ihre Handlungsfähigkeit auch in schwierigen Situationen bewahren.

Es sind häufig nicht die großen Ideen Einzelner, die die Resilienz stärken, sondern die richtige Reaktion vieler zum richtigen Zeitpunkt.

Edith Wallmeier

Geschäftsführerin Einsatzdienste, ASB-Bundesverband

Zielsetzung Resilienzprogramm

Lokale Verankerung der Krisenvorsorge

Das Resilienzprogramm soll Menschen und Gemeinschaften helfen, besser auf Katastrophen vorbereitet zu sein. Dazu werden Informationen und einfache Methoden bereitgestellt, die an die Bedürfnisse verschiedener Zielgruppe und Regionen angepasst werden können. 

Das ASB-Resilienzprogramm möchte mithilfe von Bildungs- und Mitmachangeboten die Fähigkeit zur Resilienzbildung fördern, indem es dazu anregt, sich mit sich selbst und der eigenen Lebenswelt auseinanderzusetzen.  

Die Zielsetzung: 

  • Entwicklung von Risiko- und Krisenbewusstsein  
  • Auseinandersetzung mit eigenen Ressourcen 
  • Erstellung von Notfallplänen 
  • Aufbau von Kommunikations- und Vernetzungsstrukturen 
  • die Fähigkeit, Vorsorge- und Katastrophenschutzinformationen zu bewerten 

Selbstschutz-Fähigkeiten für Gemeinschaften

Zusätzlich sollen Kommunen aktiv einbezogen werden, um die Vorsorge nachhaltig und lokal zu verankern. 

Die Selbstschutz-Fähigkeiten ergänzen sich und sorgen gemeinsam dafür, dass eine Gemeinschaft auch in schwierigen Zeiten stabil bleibt. Nachhaltige Resilienzförderung in der Gemeinschaft ermöglicht tiefgreifenden Wandel durch Bildung solidarischer Strukturen. Darüber hinaus bilden sie die Grundlage für ein ganzheitliches Resilienzprogramm, das Kommunen hilft, Widerstandsfähigkeit aufzubauen, Krisen zu bewältigen und langfristig gestärkt daraus hervorzugehen. 

Dabei greifen die Selbstschutz-Fähigkeiten wie Zahnräder ineinander, um die Gemeinschaft widerstandsfähiger zu machen: 

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    Koordination und Kommunikation

    Eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen Menschen, Behörden und Organisationen ist entscheidend. Im Notfall müssen Informationen effizient ausgetauscht und Aufgaben klar verteilt werden. Das kann eine gut funktionierende Notrufkette oder eine digitale Plattform sein, die Bürger rechtzeitig über Gefahrenlagen informiert.

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    Anpassungsfähigkeit

    Die Fähigkeit, flexibel auf neue Herausforderungen zu reagieren, ist ein wesentlicher Faktor der Resilienz. Während der COVID-19-Pandemie zeigten viele Schulen, wie Anpassungsfähigkeit aussehen kann, indem sie schnell auf Homeschooling umstellten und digitale Lehrpläne einsetzten.

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    Ressourcenmanagement

    Eine kluge Nutzung und Bereitstellung von Ressourcen wie Wasser, Lebensmittel oder Energie ist essenziell. Notfallpläne, etwa für den Betrieb von Brunnen bei Wasserausfällen, sind Beispiele für gutes Ressourcenmanagement, das Versorgungssicherheit auch in Krisenzeiten gewährleistet. Zum Ressourcenmanagement gehören auch Soziale Ressourcen, wie Beziehungen, Familien, Netzwerke und Gruppenzugehörigkeiten. 

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    Gemeinschaftszusammenhalt

    Eine resiliente Gemeinschaft stützt sich auf gegenseitige Hilfe und Unterstützung. Nachbarschaftsgruppen, die sich z. B. um Einkäufe für ältere Menschen kümmern, sind ein Beispiel für gelebten Zusammenhalt, der in Krisen lebenswichtig sein kann.

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    Wissen und Bildung

    Eine informierte und gut geschulte Gemeinschaft ist besser auf Notfälle vorbereitet.Schulungen wie jene, die zu Erster Hilfe mit Selbstschutzinhalten oder zur sicheren Trinkwasseraufbereitung angeboten werden, können dazu beitragen, das Wissen innerhalb der Bevölkerung zu erweitern und persönliche Selbstschutzfähigkeiten zu stärken. 

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    Schnelle Wiederherstellung

    Nach einer Krise ist es entscheidend, Strukturen und Abläufe schnell wiederherzustellen, um den Alltag der Menschen so rasch wie möglich zu normalisieren. Ein Beispiel dafür ist die zügige Reparatur von Stromleitungen nach einem Sturm, um die Energieversorgung wiederherzustellen.

Förderung resilienter Communities

Im Rahmen des Resilienzprogramms führte der ASB an verschiedenen Standorten „Round Tables“ mit Vertreter:innen von Kommunen, sozialen Einrichtungen, regionalen Feuerwehren, Schulen und lokalen Hilfsorganisationen durch. Darauf aufbauend wurden in den Pilotregionen Befragungen durchgeführt. Begleitet und durchgeführt wurden diese Maßnahmen von der Katastrophenforschungsstelle (KFS), welche über breite Erfahrung in diesem Bereich verfügt.

Ziel war es, ein Gefühl für die Bedürfnisse der verschiedenen Akteure zu bekommen und Lücken in der Vernetzung und gemeinschaftlichen wie individuellen Vorsorge zu identifizieren. Aus den Ergebnissen dieser Formate konnten schließlich konkrete Verbesserungen und Maßnahmen abgeleitet werden.

„In Deutschland gibt es bereits eine Vielzahl von Maßnahmen, wie Sensibilisierungskampagnen der Behörden oder Notfallpläne in Kommunen, die dazu beitragen, die Bevölkerung für das Thema zu interessieren. Es ist jedoch wichtig, dass die Maßnahmen leicht verständlich, zugänglich und praxisnah sind“, erklärt Prof. Dr. Michael Stricker, Bundesvorstandsmitglied im ASB und Dekan an der Hochschule Bielefeld.

Kernaussagen und Berichte zum Download

Wissenschaftliche Grundlagen und internationale Erfahrungen

Die Katastrophenforschungsstelle (Kfs) der FU Berlin stellt Informationen aus internationalen Kontexten insbesondere zum Thema „Community Resilience“ zur Verfügung und leitet die sogenannten „Round Tables“ in verschiedenen Regionen Deutschlands, in denen zusammen mit den jeweiligen Kommunen und der Bevölkerung konkrete Verbesserungen und Maßnahmen abgeleitet werden.  

Die Hochschule Bielefeld (HSBI) unterstützt das Programm durch die Ableitung und Gestaltung von konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Community Resilience und den Selbstschutzfähigkeiten mit einem Fokus auf vulnerablen Zielgruppen (z. B.  Menschen mit Pflegebedarf oder wohnungslose Menschen).   

In kürze finden sie hier auch Forschungsergebnisse der HSBI und der Katastrophenforschungsstelle zum Thema Selbstschutz für Kommunen / Community Resilience.

 

Gemeinsam resilient – Die Methodenbox für mehr Katastrophenvorsorge und Gemeinschaft

Hintergrund

Dem Verständnis folgend, dass Wissen und verantwortungsvolles Handeln durch kooperative Beziehungen und Interaktion zwischen Menschen, Gemeinschaften oder Institutionen entstehen, sollten auch die aus dem Projekt entstehenden Maßnahmen zur Resilienzsteigerung dialogisch und gemeinschaftlich gestaltet sein.

Resilienzbildung wurde so also als gemeinschaftlicher, kontinuierlicher Lernprozess verstanden. Resilienz entsteht nicht allein durch die Vermittlung von Informationen oder Handlungsempfehlungen, sondern durch aktives, situiertes und transformatives Lernen in sozialen Kontexten. Individuen und Gruppen aktivieren dabei bestehendes Wissen, reflektieren neue Erkenntnisse und entwickeln gemeinsam neue Handlungsweisen. Entlang des gesamten Katastrophenzyklus lernen Gemeinschaften, Risiken zu erkennen und zu bewerten, Vorsorgemaßnahmen zu begründen, Informationen kritisch zu prüfen, Hilfe zu koordinieren, vulnerable Gruppen zu schützen und aus Erfahrungen fortlaufend zu lernen. Damit verschiebt sich der Fokus von punktueller Schulung (wie etwa durch EHSH-Angebote) hin zu einem langfristigen, gemeinschaftsorientierten Entwicklungsprozess, in dem unterschiedliche Akteure aktiv an der Stärkung von Resilienz beteiligt sind.

Die Methodenbox

Die vom ASB in Kooperation mit der HSBI und KFS entwickelte Methodenbox setzt genau hier an. Sie unterstützt Bildungsprozesse zur Stärkung von Community Resilience durch partizipative, handlungsorientierte und reflektierende Lernformate.

Als praxisnaher Werkzeugkasten für gemeinschaftliches Lernen umfasst sie eine Übersichtsbroschüre, 60 Methodenkarten mit Übungen und Spielen sowie ergänzende Materialien. Die Methoden fördern die Aktivierung von Vorwissen, Perspektivwechsel und kritische Reflexion sowie praktische Handlungs- und Problemlösungskompetenzen. Inhaltlich deckt die Methodenbox die Themenbereiche Grundwissen, persönliche Notfallvorsorge, Medien und Information, Notruf und Erste Hilfe, psychische Gesundheit sowie Gemeinschaft ab. Dank ihres modularen Aufbaus können die Methoden flexibel an unterschiedliche Lernziele, Gruppengrößen und Altersgruppen angepasst werden. Die Materialien richten sich an ein breites Spektrum von Anwender:innen, wie Lehrkräfte, Pädagog:innen, Sozialarbeiter:innen, Ehrenamtliche ebenso wie Vereine, Bildungseinrichtungen und Organisationen des Bevölkerungsschutzes. Neben der Vermittlung von Wissen und Kompetenzen soll die Methodenbox den Aufbau lokaler Netzwerke fördern und Menschen dazu ermutigen, das Konzept gemeinschaftlicher Resilienz aktiv mitzugestalten und weiterzuentwickeln.

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Die Methoden sind durch drei Gemeinschaftsebenen strukturiert. Auf jeder Ebene finden sich Methoden in verschiedenen Schwierigkeiten und zu unterschiedlichen Inhalten.

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Das ASB-Resilienzprogramm in der Fachzeitung "Notfallvorsorge"

Das Projektteam des ASB Resilienzprogramms

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von links nach rechts:

  • Max Aulenbacher (HSBI)
  • Dr. Daniel Lorenz (Kfs)
  • Dr. Cordula Dittmer (Kfs)
  • Christian Süper (ASB)
  • Clara Heil (HSBI)
  • Vera Franzen (ASB)
  • Johanne Peter (ASB)

Es fehlen: Prof. Dr. Alexander Scheidt (HSBI), Prof. Dr. Kaja Makowsky (HSBI) und Prof. Dr. Michael Stricker (HSBI)

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Von der Theorie in die Praxis: das Programm EHSH

Das vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenvorsorge (BBK) finanzierte Programm „Erste Hilfe mit Selbstschutzinhalten“ (EHSH) hat sich seit 2020 mit bundesweiten Kursangeboten erfolgreich seinen Weg in die Bevölkerung gebahnt und stellt ein zielgruppenübergreifendes Bildungsangebot dar. Hier geht es um Notfallbevorratung, um das Verhalten bei unterschiedlichen Krisen und Katastrophen wie Hochwasser, Stromausfall und auch Unwetter wie Gewitter, Stürme und Orkane. Jeder kann Fragen stellen und üben, was in einen Notfallrucksack gehört oder welche Lebensmittel und wieviel Trinkwasser bevorratet werden sollten. Teilnehmende aller Altersgruppen erhalten Tipps, wie sie sich bei einem Stromausfall helfen, ihre Dokumente sichern oder ihr Haus vor Hochwasser schützen können.

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