Ukrainerinnen und Ukrainer erzählen ihre Geschichte

Lesen Sie hier die Geschichten von geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainern und erfahren Sie, wie der ASB ihnen geholfen hat.

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Tatiana: "Ich habe hier meine Kollegen, meine Freunde, meine Katze und meine Mutter. Das Leben kann so schön sein"

Sie halfen den  Kriegsflüchtlingen  in der Ukraine und mussten sich schließlich selbst auf die Flucht in die Westukraine begeben. Das ist die harte Realität der Mitarbeiter:innen des in die Nähe von Lwiw verlegten ASB Länderbüros in der Ukraine. Auch sie sind nun Binnenvertriebene, die ihr Zuhause und ihre Büros aus Kiew und Severodonetsk verlassen mussten. Seit 2014,  als der bewaffnete Konflikt unter anderem im Donbass begann, hatten sie dort der Bevölkerung auf beiden Seiten der sogenannten Kontaktlinie geholfen.

Gemeinsam mit ihren Familien sind die ASB Mitarbeiter:innen geflohen und leben und arbeiten  inzwischen in einem ruhigen Dorf mit idyllischen Holzhäusern und Fischteichen, 30 Kilometer entfernt im Süden von Lwiw - weit weg von der sogenannten Kontaktlinie.

ASB Mitarbeiter:innen in Lwiw

Foto: Jan Kjaer

Die ASB-Mitarbeiter:innen hatten sich frühzeitig auf eine mögliche Evakuierung vorbereitet. Der Sicherheitsbeauftragte des ASB Ukraine hatte aufgrund seiner Lageeinschätzung noch vor Beginn des Kriegs am 24. Februar die Anordnung gegeben, die Stadt Severodonetsk im Donbass zu verlassen.

Mit einem Konvoi aus fünf Fahrzeugen brachen die zehn Erwachsenen mit sieben Kindern und samt Haustieren in den Westen der Ukraine auf. Inzwischen hat der Länderbürochef Giorgi Shengalia hier gemeinsam mit den vier Mitarbeiter:innen die Arbeit wieder aufgenommen.


ASB-Länderdirektor in Lwiw, Giorgi Shengalia

Foto: Jan Kjaer

Die Mitarbeiterinnen im Länderbüro organisieren nun die humanitäre Hilfe des ASB in der Ukraine.

Der  Schwerpunkt liegt  auf den Regionen, in denen wir und unsere Partnerorganisationen Zugang zu den Menschen in Not haben. So konnten im April und Mai trotz der Kampfhandlungen in Mariupol Nahrungsmittel an rund 3.000 Familien in der umkämpften Stadt verteilt werden. Außerdem wurden in der Region Lwiw Medikamente, Hygieneartikel und Nahrungsmittel verteilt sowie Geldtransfers für Binnenvertriebene ermöglicht. In der Donbass-Region erhalten Menschen auch weiterhin Geldtransfers für den Einkauf von Nahrungsmitteln vor Ort.

Langfristig, bzw. sobald es die Lage erlaubt, plant der ASB die Unterstützung des Wiederaufbaus in der Ukraine. ASB-Mitarbeiterin Olha ist froh, dass sie endlich wieder arbeiten kann: „Wir sind sehr motiviert, auch weil der ASB die Evakuierung für die ganze Familie organisiert hat. Natürlich möchten wir jetzt auch anderen Ukrainer:innen helfen.“

Zuerst wollte Olhas Mutter Severodonetsk nicht verlassen, aber inzwischen wurde auch sie evakuiert. „Das ist eine große Erleichterung für mich“, sagt Olha. Auch ihrer Kollegin Tetyana gefällt das neue Länderbüro gut. „Es ist wunderschön hier und das beruhigt uns.“ Für Tetyana ist es bereits das zweite Mal, dass sie fliehen musste. Denn als Russland 2014 die Kämpfe in Donbass begann, musste sie ihre Heimat schon einmal verlassen. „Damals habe ich einfach meinen Rucksack gepackt und bin weggerannt. Jetzt ist die Situation anders und schwieriger, da ich ein Kind habe“, erklärt sie.

Auch der Länderbürochef Giorgi Shengelia musste bereits 1990 vor russischen Truppen in seinem Heimatland Georgien fliehen. Er ist froh darüber, dass die ASB Mitarbeiter:innen gemeinsam evakuiert werden konnten. „Sicherheit kommt immer zuerst. Um andere retten zu können, musst du zuerst dich selbst retten“, erklärt er. Tatiana, die für Finanzen und Administration zuständig ist, zeigt die Holzhütte in der sie mit ihrer Mutter und ihrer Katze Rubik lebt. „Rubik ist wie ein Antidepressiva für uns“, meint Tatiana.

Ihre Heimatstadt Severodonetsk ist eine der Städte in der Ostukraine, die im Mai 2022 täglich bombardiert wurden. Ihr Vater hat sich dazu entschieden in Severodonetsk zurückzubleiben. Tatiana ist in Sorge.  Es ist nicht einfach mit ihm in Kontakt zu blieben, da die Telefon- und Internetverbindungen nur unzuverlässig funktionieren.

Tatiana mit ihrer Mutter in Lwiw.

Foto: Jan Kjaer

Tatiana hat auch die Telefonnummer von ihrem Nachbar, traut sich jedoch nicht ihn anzurufen, um ihn zu fragen, ob ihre Wohnung noch steht. „Ich habe Angst davor, die Wahrheit zu erfahren. Aber wie dem auch sei, die Wohnung ist nur materieller Natur. Das wichtigste ist, dass wir noch am Leben sind“, erzählt Tatiana und fügt hinzu: „Ich versuche positiv zu denken. Ich bin froh, dass ich einen Job habe und Gehalt bekomme. Ich habe hier meine Kollegen, meine Freunde, meine Katze und meine Mutter. Das Leben kann so schön sein.“

Interview: Jan Kjaer


Ninel: „Hier geht es nicht nur darum, Menschen zu helfen, sondern sie vor dem Verhungern zu retten"

Die humanitäre Situation in Mariupol ist nach wie vor dramatisch. „Hier geht es nicht nur darum, Menschen zu helfen, sondern sie vor dem Verhungern zu retten“, erklärt Ninel, stellvertretende Chefin der Hilfsorganisation Humanitarian Aid and Development Center (HADC). Die Hilfsorganisation bringt von Donezk aus Lebensmittel in die schwer umkämpfte Hafenstadt Mariupol. Gemeinsam mit dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und dem ASB-Länderbüro in Lwiw wurden bereits drei Transporte durchgeführt und Wasser sowie Essen an über 1.000 Bewohner:innen in Mariupol verteilt. Finanziell unterstützt werden die Aktionen vom Auswärtigen Amt.

Ninel und ihr Team verteilen Lebensmittel in Mariupol.

Foto: HADC

Foto: HADC

Eine weitere Hilfslieferung für 2.000 Menschen ist für die nächsten Wochen geplant. „Es ist nicht einfach, nach Mariupol zu gelangen. Jeden Tag wird gekämpft und wir riskieren verletzt zu werden“, beschreibt Ninel die Situation vor Ort.

Die stellvertretende HADC-Chefin, ihre männlichen Teamkollegen und freiwilligen Helfer:innen stehen in ständigem Austausch. Informieren sich über die Kämpfe vor Ort, um die am wenigsten gefährliche Route nach Mariupol zu nehmen. Bei einem ihrer Einsätze blieben sie mit zwei platten Reifen stecken, überall lag zerbrochenes Glas auf der Straße. Dennoch schafften sie es, den zehn Tonnen schweren LKW in die umkämpfte Stadt zu bringen.

„Es sieht deprimierend aus rund um Mariupol. Alles ist zerstört: die Häuser, die Infrastruktur. Überall liegen verbrannte Autos und zerstörte Kabel“, erzählt Ninel. Die erste Lebensmittelverteilung musste sogar unterbrochen werden, da die Kämpfe in der Nähe des Platzes stattfanden, an dem die Lebensmittel verteilt wurden. Hunderte hungriger Menschen stehen bei ihnen für Essen an. Sie alle sind sehr dankbar für die Unterstützung. „Dieser humanitäre Einsatz hier rettet Leben. Wir helfen den Menschen, damit sie überleben können“, sagt Ninel.

Während sie das Essen verteilt, kommen Bewohner:innen auf sie zu und überreichen ihr Telefonnummern. „Sie bitten mich, ihre Familien anzurufen, um ihnen zu sagen, dass sie noch am Leben sind“, ergänzt die stellvertretende HADC-Chefin. Sie könne den Familien sagen: „Ich habe sie heute gesehen. Ich habe mit ihnen gesprochen.“ Es mache sie so glücklich, ihnen die guten Nachrichten zu überbringen. Die Bewohner:innen der umkämpften Stadt können selbst keinen Kontakt zu ihren Familien aufnehmen, da Telefon- und Internetverbindungen zerstört wurden. Ninel nimmt jedes Mal 20 bis 50 Nummern mit ins Büro nach Donezk.

Die stellvertretende HADC Chefin geht davon aus, dass sich die humanitäre Lage in der Ukraine noch verschlimmern wird. „Die Anzahl der intern Vertriebenen wird zunehmen, der Hunger der Menschen wird zunehmen und die Anzahl der NGOs reicht nicht aus, um allen vom Krieg betroffenen Menschen zu helfen“, gibt sie zu bedenken.

Sie wünscht sich weniger Bürokratie in dieser humanitären Krise. „Die Ukrainerinnen und Ukrainer benötigen dringend Hilfe. Der Bedarf ist riesig. Nur ein Tag Verzögerung kann Menschenleben kosten.“ Trotz der Gefahr, in die sie sich begibt, kann sich Ninel momentan nicht vorstellen, etwas Anderes zu tun. „Das ist wahrscheinlich der wichtigste Job in meinem ganzen Leben, sicherlich aber auch der schwierigste.“

Interview: Jan Kjaer



Nadia: „Es ist ruhig hier. Hier herrscht kein Krieg.“

„Hab keine Angst. Du bist hier sicher“, verspricht das Willkommensschild eines Transitzentrums in der ukrainischen Region Transkarpatien. Hier lebt die 81-jährige Nadia, die aus Kramatorsk in der Donetzker Region stammt. „Es ist ruhig hier. Hier herrscht kein Krieg“, erzählt sie. Das Transitzentrum wird vom ASB gemeinsam mit dem Ukrainischen Samariterverband SSU Kiew betrieben.

Nadia im Transitzentrum.

Foto: Jan Kjaer

Als Nadia floh, war der Bahnhof komplett überfüllt. Sie und ihre Tochter Natalia nahmen den Zug nach Lviv, reisten weiter südlich nach Uzgorod und kamen dann schließlich in Velky Bereshnv, einer kleinen, ruhigen Stadt nahe der slowakischen Grenze, an.

„Mir gefällt es hier im Transitzentrum. Es herrscht eine gute Atmosphäre. Und es ist warm und sauber“, erzählt Nadia. „Wie lange dieser Krieg noch gehen wird, kann niemand sagen. Aber ich werde nicht weiter flüchten, als bis hier.“

Die 68-jährige Tatiana aus Charkiv stimmt ihr zu. „Wir möchten nicht ins Ausland fliehen. Mein Mann und ich, wir möchten hier bleiben, bis wir wieder zurück nach Charkiv können“, meint sie. Tatianas Tochter lebt nun in Deutschland und ist eine von fünf Millionen Ukrainer:innen, die ihr Land seit der russischen Invasion verlassen mussten. „Hier in dem Zentrum fühle ich mich inzwischen zu Hause“, erzählt Tatiana. „Ich freue mich darüber, dass ich gute Beziehungen mit den Menschen, die hier leben, aufbauen konnte.“

Tatiana und ihr Mann.

Foto: Jan Kjaer

Die achtjährige Katja ist eine der jüngsten von den 30 Ukrainer:innen, die in dem Transitzentrum leben. Katja ist bei den Bewohner:innen beliebt, da sie anderen gerne  behilflich ist. Als der Krieg am 24. Februar begann, beschloss ihre Mutter, das unter Beschuss stehende Kiew zu verlassen und zur Großmutter nach Chernigov zu flüchten. „Ich habe russische Panzer gesehen“, erinnert sie sich. Ein paar Tage später wurde auch Chernigov, das nahe an der russischen Grenze liegt, so stark beschossen, dass sie erneut fliehen mussten. Dieses Mal in den Südwesten der Ukraine. „Ich möchte nicht mehr zurück, wir bleiben erst einmal hier“, sagt Katja.

Interview: Jan Kjaer

Die achtjährige Katja aus Kiew.

Foto: Jan Kjaer

Yanina: „Diese Menschen brauchen unsere Hilfe. Sie sind abhängig von der Hilfsbereitschaft anderer Menschen, weil sie sich nicht selbst helfen können.“

Die erste Hilfsgüterlieferung der lettischen Samariterorganisation kam am Donnerstag, den 31. März 2022 am Bahnhof in Kiew an. 16 Freiwillige und Samariter:innen halfen, die Paletten aus den Zugwaggons auszuladen. „Die humanitären Hilfsgüter wurden mit dem Zug an uns geschickt, weil dies im Moment der effizienteste und sicherste Weg ist“, sagt Yanina Levkovska, Direktorin der Ukrainischen Samariterorganisation in Kiew (SSU Kiew).

Die Hilfsgüter bestehen aus Lebensmitteln, Medizin, Hygieneartikeln, Decken sowie Schlafsäcken. Der SSU Kiew hatte speziell diese Hilfsgüter angefragt, um auf die humanitäre Krise in Kiew und den umliegenden Städten zu reagieren. „Die Hilfsgüter werden jetzt an die Schwächsten verteilt“, erzählt Yanina. „Wir verteilen sie an Menschen aus anderen Städten und Regionen der Ukraine, die stark unter den Militäraktionen gelitten haben. An Menschen, die ihr Zuhause verlassen mussten und nach Kiew gekommen sind.“

Foto: SSU Kiew

Ältere oder schwer kranke Menschen, Menschen mit Behinderungen sowie Familien mit Kindern, die eine Behinderung haben, profitieren von den Hilfsgütern. „Sie alle haben unterschiedliche Gründe, weshalb sie nicht in sicherere Regionen geflohen und in Kiew geblieben sind. Diese Menschen brauchen unsere Hilfe und sind abhängig von der Hilfsbereitschaft anderen Menschen, weil sie sich nicht selbst helfen können“, erklärt Yanina.

Die ukrainischen Samariter:innen in Kiew lieferten auch eine Palette mit Medikamenten an ein Kinderkrankenhaus in Kiew. „Das Krankenhaus hat uns über ihre Bedarfe informiert. Überall in der Ukraine benötigen wir dringend mehr Medikamentenvorrat“, sagt Yanina. Die Medikamente wurden gemeinsam mit den Hilfsgütern der lettischen Samariterorganisation vom Weißen Kreuz Südtirol nach Kiew gesendet.

Interview: Jan Kjaer

Foto: SSU Kiew

Nina: „Familie ist nicht nur da, wo deine eigene Familie ist, sondern das sind auch die Menschen hier, die uns unterstützen und willkommen heißen.“

Der griechische ASB spendete 16 Paletten an Hilfsgütern an eine Unterkunft für Geflüchtete in der Stadt Serres. Dort wohnen zurzeit 81 Ukrainerinnen und Ukrainer. Die Spende enthielt Kissen, Bettwäsche, Handtücher sowie Hygieneartikel wie Zahnpasta, Shampoo oder Haarbürsten.

Dimitra Panagiotaki ist Leiterin der Unterkunft und bedankte sich beim ASB für die großzügige Spende. „In einer Flüchtlingsunterkunft, wo Menschen wohnen, die mit nichts außer ihrer Kleidung angekommen sind, hilft selbst eine kleine Seife aus. Wir bedanken uns sehr herzlich beim ASB.“

Dimitra erzählt, dass die ukrainischen Geflüchteten von den Einheimischen warmherzig begrüßt werden. Die ukrainischen Kinder würden bereits in griechische Schulen gehen und seien sehr froh darüber, wieder einen Alltag zu haben.

Nina Topavola aus Mariupol

Foto: ASB Griechenland

Die Ukrainerin Nina Topavola, ihre beiden Kinder, ihre Schwester und ihre Mutter waren die ersten, die am 6. März 2022 in der Unterkunft ankamen. Nina kommt aus Mariupol, wo über 100.000 Menschen mit griechischer Herkunft leben. In Mariupol unterrichtete sie Griechisch an einer Grundschule. Eigentlich wollte sie nicht aus der Ukraine fliehen. „Aber dann ist die Situation eskaliert, wir haben innerhalb von zehn bis fünfzehn Minuten alles in einen Rucksack geschmissen und sind mit dem Auto losgefahren“, berichtet Nina. „Es war sehr schwierig und die Reise nach Griechenland hat fünf Tage gedauert. Aber ich bin froh, dass wir nun hier sind.“

Ninas Kinder, acht und zehn Jahre alt, gehen bereits in eine griechische Schule und haben schon erste Freundschaften geschlossen. Deutlich bewegt erzählt Nina: Hier in der Unterkunft habe ich etwas wichtiges verstandenFamilie ist nicht nur da, wo deine eigene Familie ist, sondern das sind auch die Menschen hier, die uns unterstützen und willkommen heißen. Sie stehen uns zur Seite. Sie helfen uns, unsere Stärke wiederzufinden und unterstützen uns dabei, unser Leben weiterzuleben.“

Seit der russischen Invasion sind mehr als 13.000 Ukrainerinnen und Ukrainer nach Griechenland geflüchtet. Viele von ihnen sind bei Freund:innen oder Bekannten untergekommen. Immer mehr Geflüchtete suchen inzwischen auch Zuflucht in den Unterkünften in Serres und Elefsina.

Text: ASB Griechenland


Sofia: „Ich vermisse meinen Vater, meinen Fisch, meine Katze und meinen Hund“


Foto: Jan Kjaer

Die zwölfjährige Sofia schafft es kaum, die Tränen zurückzuhalten. Gemeinsam mit ihrer Mutter Alla sitzt sie in einem freundlich eingerichteten Holzhaus in Polen, das 200 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt ist. Sofia und Alla sind vor den russischen Angriffen von Kiew nach Polen geflohen und werden dort von der polnischen Samariterorganisation SFOP unterstützt. Von den Samariterinnen und Samaritern erhielten die beiden eine Unterkunft sowie Essen und Kleidung. Außerdem halfen sie ihnen, einen Arzt und einen Schulplatz für Sofia zu finden.

In der Unterkunft der Samariterorganisation versuchen die beiden, etwas zur Ruhe kommen, doch das fällt ihnen schwer. „Ich vermisse meinen Vater, meinen Fisch, meine Katze und meinen Hund so sehr“, erzählt Sofia. „Sie alle musste ich in meiner Heimatstadt Kiew zurücklassen.“

Sofia und Alla lebten in der Nähe  eines Atomkraftwerks, das von den Russen während der ersten Tage des Kriegs beschossen wurde. Sie entschlossen sich, zu fliehen. Doch ihren Vater musste Sofia zurücklassen. Ebenso ihre ältere Schwester, die ihren Pass verloren hatte und deshalb nicht mitreisen konnte. „Ich habe mein normales Leben, meine Familie und meine Freunde in der Ukraine verlassen“, sagt Sofia traurig.

Die Zugfahrt von Kiew nach Lviv verlief chaotisch. Sofias Mutter Alla erinnert sich. „Der Zug war einfach zu voll. Jeder ist in Panik verfallen“. Aber die Flucht war die einzige Möglichkeit.

Foto: Jan Kjaer

Ihre Mutter Alla erzählt, wie sie versucht, mit Freunden, die in einem Vorort in Kiew leben und unter schweren russischen Bombenangriffen leiden, in Kontakt zu bleiben. „Meine Freunde sitzen im Keller einer Schule, die nicht evakuiert werden konnte. Sie haben nichts mehr zu essen.“

Wenn sie sich an den Anruf erinnert, muss Alla weinen. Trotzdem hat sie keine Zweifel, dass es die richtige Entscheidung war, die Ukraine zu verlassen. „Wir sind sehr froh, dass uns hier in Polen so geholfen wird“, sagt Alla.  

Inzwischen haben bereits über vier Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer, die Hälfte von ihnen sind Kinder, das Land verlassen. 2,4 Millionen Menschen sind über die Grenze nach Polen geflüchtet.

Auch Sie können mit Ihrer Spende die Arbeit des ASB unterstützen. Wir sind in der Ukraine selbst, in den Anrainerstaaten sowie in Deutschland aktiv, um den geflüchteten Menschen zu helfen.

Interview: Jan Kjaer

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Helfen auch Sie Menschen wie Sofia und Alla mit Ihrer Spende. 


Yana: „Ich fühle mich hier willkommen. Die Leute sind offen“

Foto: Jan Kjaer

Yana floh zusammen mit ihrer Schwester und ihren zwei Kindern aus der Ukraine nach Lettland. Sie ist beeindruckt von der Hilfe in dem kleinen baltischen Land. „Ich fühle mich hier willkommen. Die Leute sind offen“, erzählt die junge Frau. In ihrer rechten Hand hält sie eine Tüte einer Lebensmittelbank in Riga. Es gibt 40 Filialen im gesamten Land. Normalerweise werden sie von ärmeren und benachteiligten Letten aufgesucht.

„Derzeit kommen jeden Tag 200 bis 300 Menschen in den Laden. 70 Prozent davon sind Ukrainer“, erklärt Ilmars, einer der rund 200 Freiwilligen, die in der Food-Bank tätig sind. Die Taschen sind unterschiedlich gefüllt, enthalten aber vor allem Lebensmittel und Hygieneartikel.


Foto: Jan Kjaer

„Die Food-Läden entstanden während der Finanzkrise 2008 und sollten der ärmeren Bevölkerung helfen. Es ist ein Netzwerk entstanden, das wir jetzt nutzen können, um den ukrainischen Flüchtlingen zu helfen“, sagt Andris Berzins, Direktor des Samariterbundes Lettland.

Es dauert ungefähr zehn Tage, bis Flüchtlinge von den lettischen Behörden registriert werden. Während dieser Zeit ist es nicht möglich, Unterstützung von der Regierung zu erhalten, und hier ist die Food-Bank eine große Hilfe.

Yana ist ziemlich beeindruckt von den Hilfsmaßnahmen in dem kleinen baltischen Land. Ihr zwölfjähriger Sohn geht bereits in Lettland zur Schule und sie hat ein Stellenangebot als Haushälterin in einem Hotel. Wenn ihre Registrierung abgeschlossen ist, kann sie dort beginnen.

Interview: Jan Kjaer


Peace message - Ukraine

Die 15-Jährige Kristi spricht über ihre Flucht aus der Ukraine. Sie ist mit ihrem Vater und ihrer jüngeren Schwester zu Kriegsbeginn geflohen. Sie ist sehr dankbar, dass sie und ihre Familie in Polen aufgenommen wurden und von der polnischen Samariterorganisation unterstützt werden.