Modernes ASB-Pflegeheim
[ Bild: Modernes ASB-Pflegeheim ]
ASB-Leuchtturm

ASB Witten: Erste-Hilfe-Kurse als Türöffner

Erste-Hilfe-Kurse für Flüchtlinge bieten viele ASB-Gliederungen an. Denn oft sind ASB-Verbände zugleich in der Erste-Hilfe-Ausbildung und in der Flüchtlingshilfe aktiv. Der ASB Witten geht aber weiter: Über seine Erste-Hilfe-Kurse für Geflüchtete will er die Wittener Neubürger in seine Verbandsarbeit einbinden. Das Konzept geht auf.

„Bei einem Notruf ist es immer unser größtes Problem herauszufinden, wo sich der Anrufer gerade befindet", erklärt Frank Machtenberg. Er leitet ehrenamtlich den Erste-Hilfe-Kurs für Geflüchtete beim ASB Witten und weiß, wovon er spricht. Machtenberg arbeitet hauptberuflich bei der Feuerwehr im Ennepe-Ruhr-Kreis und nimmt Notrufe in der Leitstelle entgegen. Helfer Simo Bouchouk übersetzt den zwölf Teilnehmern das Gesagte auf Arabisch. Denn sie sind Flüchtlinge und stammen überwiegend aus Syrien. Ein junger Mann möchte wissen, ob die Feuerwehr denn nicht das Handy des Anrufers orten kann. „Nein, das können und dürfen wir nicht. Und deshalb üben wir jetzt, einen Notruf auf Deutsch abzusetzen, und Sie sagen mir, wo Sie sich gerade befinden", erklärt Frank Machtenberg.

Übung: Notruf auf Deutsch absetzen

Das Üben der Telefonate geht erstaunlich gut. Die meisten Teilnehmer sind schon seit über einem Jahr in Deutschland und können sich in leichtem Deutsch verständigen. Trotzdem ist ihnen vieles von dem, was sie hier im Erste-Hilfe-Kurs erfahren, neu. Zum Beispiel der Kassenärztliche Notdienst außerhalb der Sprechstunden. „Ihn rufen Sie am Wochenende bei Erkrankungen an, die nicht im Krankenhaus behandelt werden müssen. Zum Beispiel, wenn Ihr Kind Fieber hat", erklärt Machtenberg und Simo Bouchouk übersetzt es anschließend. Die Teilnehmer sind junge Männer und Väter mittleren Alters. Ein Vater ist mit seiner 13-jährigen Tochter namens Yamamah gekommen. Sie verfolgt den Kurs mit großem Interesse.

Von dem kostenlosen Erste-Hilfe-Kurs des ASB Witten haben die Männer über Flyer erfahren, die der ASB-Kreisverband in der Stadt verteilt hat. Unter anderem am sogenannten Help-Kiosk, einer zentralen Anlaufstelle für alle Geflüchteten. Die Werbung mit Flyern ist nötig, da es keine Flüchtlingsunterkünfte in der Stadt gibt. Die Neubürger leben in eigenen Wohnungen und werden von der Kommune dezentral betreut.

Miteinander ins Gespräch kommen

Im Erste-Hilfe-Kurs für Geflüchtete, es ist der dritte seit September, geht es sehr gesellig zu. Obwohl sich die Teilnehmer vorher nicht kannten, wird viel gelacht und gescherzt. Was sicherlich auch an Simo Bouchouks jovialer Art liegt. Der gebürtige Marokkaner hat bis zum Sommer als Helfer in einer Flüchtlingsunterkunft des ASB Ruhr gearbeitet. Er kennt die Sorgen der Geflüchteten und weiß zwischen den Kulturen zu vermitteln.

„In unserem ‚Integrationsprojekt Erste Hilfe' geben wir den neuen Bürgern wichtige Information für ihr Leben in Deutschland und wir kommen mit ihnen ins Gespräch", erklärt Kirsten Schäfer, Geschäftsführerin des ASB Witten. „Außerdem stellen wir uns und unsere Arbeit vor und bieten den Teilnehmern an, sich als Freiwillige in unserem Verband zu engagieren", fährt sie fort.

Willkommen beim ASB

Erste Erfolge kann das Integrationsprojekt schon vermelden: Drei ehemalige Teilnehmer arbeiten nun als Freiwillige im ASB-Fahrdienst. Auch die 20-jährige Christine Albdewi möchte sich beim ASB Witten engagieren, und zwar im Katastrophenschutz. Bevor sie aus Syrien floh, studierte sie in Damaskus Medizin. Nun lebt sie mit ihrer Mutter im Ruhrgebiet und besucht einen Sprachkurs mit der Niveaustufe B2 an der Uni Bochum. „Ich hätte gerne mehr Kontakt zu Deutschen", erklärt sie ihren Wunsch für ein Engagement beim Katastrophenschutz. „Außerdem helfe ich gerne und lerne gerne etwas Neues dazu." Am 24. November wird es losgehen: Christine Albdewi ist bei der nächsten Katastrophenschutzübung des ASB Witten fest eingeplant.

Mitmachen im Katastrophenschutz

Aus den Erste-Hilfe-Kursen für Geflüchtete haben sich noch weitere Angebote entwickelt. „Wir haben in unserer Geschäftsstelle einen ‚Ort der Begegnung' eingerichtet. Hier bieten wir jetzt einen Deutschkurs für Flüchtlinge an, die keinen Anspruch auf einen Integrationskurs haben. Er wird genauso wie das ‚Integrationsprojekt Erste Hilfe' mit öffentlichen Mitteln gefördert. Und wir haben ein Frauen-Café eingerichtet. Das läuft aber leider nur schleppend", berichtet Geschäftsführerin Kirsten Schäfer. Das Problem: Die geflüchteten Frauen suchen in der Regel ohne ihre Männer keine Termine außer Haus auf. Aber Schäfer ist zuversichtlich, dass sich dies ändert: Sie plant, über die Wittener Moscheegemeinde für das Frauen-Angebot zu werben.

Neues Mitglied in der Arbeiter-Samariter-Jugend

Diesmal konnten die Wittener Samariter die 13-jährige Yamamah für die Arbeiter-Samariter-Jugend gewinnen. Die Schülerin macht nun in der Gruppe für „Realistische Unfalldarstellung" mit und hat Spaß daran, zusammen mit gleichaltrigen einheimischen Schülerinnen und Schülern Verletzungen für Notfallübungen zu schminken.