Modernes ASB-Pflegeheim
[ Bild: Modernes ASB-Pflegeheim ]
ASB-Leuchtturm

Flüchtlinge als Freiwillige in der Pflege

Der ASB Rheinland-Pfalz bietet auch geflüchteten Menschen die Möglichkeit, einen Freiwilligendienst zu machen. Dies ist eine gute Chance, Deutsch zu lernen und Einblick in die Pflege zu erhalten - einem Bereich mit sehr guten Berufsaussichten.

„Hallo Frau Wahlen, hier kommt der Ball", ruft Isse Abshir Ali einer älteren Dame zu, die vor ihm im Sessel sitzt. Vorsichtig wirft der junge Somalier der Seniorin einen Ball zu. Diese fängt ihn mit unsicheren Bewegungen. Um die Koordination zu trainieren, sitzen Isse Abshir Ali und die Bewohner des ASB-Seniorenzentrums Budenheim im Sitzkreis. Sie spielen mit dem weichen Ball und schwenken ein buntes Schwungtuch.

Deutschlernen mit Bewohnern

Bei der Gedächtnisübung lernt auch Isse, wie der junge Mann von den Bewohnern und Kollegen gerufen wird, etwas dazu. Er hält eine Tafel mit dem Buchstaben E vor Peter Mühlen und fragt, welche Wörter mit E beginnen. „Esel", antwortet dieser spontan. Dieses Wort kannte Isse noch nicht, denn er lebt erst seit anderthalb Jahren als Flüchtling in Deutschland. Aus Somalia ist der 20-Jährige vor dem Bürgerkrieg geflohen. Jetzt macht er seit September einen Bundesfreiwilligendienst bei der Altenhilfe des ASB Rheinland-Pfalz. Der Freiwilligendienst im ASB-Seniorenzentrum in der Nähe von Mainz gefällt ihm gut. „Ich möchte mich mit Deutschen verständigen können. Hier lerne ich jeden Tag dazu", sagt er.

Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) und das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) sind für Flüchtlinge eine Chance, ein Jahr lang intensiv Deutsch zu lernen und praktische Erfahrungen in Berufsfeldern mit guten Aussichten auf einen Ausbildungsplatz zu sammeln. Seit diesem Jahr bietet der ASB Rheinland-Pfalz deshalb sieben Flüchtlingen die Möglichkeit, einen Freiwilligendienst in zwei ASB-Seniorenzentren, einem ASB-Mehrgenerationenhaus und einer Mainzer Klinik zu machen.

„Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug"

Der Wunsch, Geflüchteten über die „Nothilfe" hinaus bei ihrer Integration zu helfen, entstand beim Landesverband mit Sitz in Mainz schon im letzten Herbst. „Uns war damals schnell klar, dass die meisten geflüchteten Menschen in Deutschland bleiben und für den Start in ihr neues Leben unsere Hilfe brauchen werden", erklärt Landesgeschäftsführer Stefan Rheinheimer. Der Ende 2015 von der Bundesregierung eingeführte „Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug" bot sich als eine gute Möglichkeit an, Geflüchtete mit guter Bleibeperspektive in die Arbeit des ASB sowie einer externen FSJ-Einsatzstelle, der Mainzer Klinik, einzubinden. Mittel für die Anleitung der geflüchteten BFDler in Seniorenzentren gibt es außerdem vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA).

Einsatzstelle und Freiwillige müssen zusammenpassen

Etwas schwieriger erwies sich jedoch die Suche nach geeigneten Freiwilligen. Der Landesverband warb trägerübergreifend zum Beispiel bei Migrationserstberatungsstellen und in Integrationssprachkursen für seine Einsatzplätze. „Es haben sich zwar viele interessierte Flüchtlinge gemeldet, aber entweder stellten sie sich etwas anderes unter einem Freiwilligendienst vor oder es fehlten ihnen erste Deutschkenntnisse oder das Interesse an der Pflege", berichtet Tülay Arslan, Referentin für pädagogische Dienste und Freiwilligenarbeit beim ASB Rheinland-Pfalz. Mit einer engeren Auswahl an Bewerberinnen und Bewerbern führte der ASB schließlich Probearbeitstage in den Einsatzstellen durch. „Das half sehr. Bei Isse wussten wir zum Beispiel sofort, dass er ein Volltreffer ist, weil er so geduldig und freundlich mit den Senioren umgeht. Man merkt, dass er Erfahrung im Umgang mit älteren Menschen hat, weil er zu Hause seine Großmutter gepflegt hat", berichtet Stefan Winter, Leiter des ASB-Seniorenzentrums Budenheim.

Pädagogische Begleitung

Die erste geflüchtete Freiwillige, eine junge Iranerin, startete im Juni ihren Bundesfreiwilligendienst im ASB-Mehrgenerationenhaus in Waldfischbach. Ihr folgten im September Isse und ein junger Mann aus Zentralafrika als Freiwillige in zwei ASB-Seniorenheimen. Vier weitere Freiwillige aus Somalia und Afghanistan beginnen im Oktober ihren Dienst, und zwar ebenfalls in der ASB-Altenpflege und im Krankenhaus.

Damit die Zusammenarbeit und Verständigung bei der Arbeit gelingen können, besuchen viele der Freiwilligen im ersten Monat halbtags vor der Arbeit einen Deutschkurs der Volkshochschule. Darüber hinaus werden sie vom ASB-Landesverband pädagogisch besonders betreut. Dazu Tülay Arslan: „Wir werden zum Beispiel ab Ende Oktober Einzelsprachkurstage anbieten, in denen wir die Fachbegriffe in der Pflege und Arbeitswelt üben. Im Einführungsseminar im November werden wir die Freiwilligen über ihre Rechte und Pflichten aufklären und planen außerdem einen Erste-Hilfe-Kurs in leichter Sprache." Wenn die internationale Freiwilligengruppe sicherer Deutsch spricht, sind zudem gemeinsame Ausflüge und Projekte mit den einheimischen Freiwilligen des Landesverbandes geplant.

Perspektive: Ausbildung in der Altenhilfe

Auch nach Beendigung des Bundesfreiwilligendienstes möchte der ASB Rheinland-Pfalz den geflüchteten Freiwilligen eine Perspektive bieten. „Sie können sich bei uns um einen Ausbildungsplatz in der Altenpflege bewerben. Allerdings brauchen sie dafür mindestens einen Hauptschulabschluss", sagt Landesgeschäftsführer Stefan Rheinheimer. Diese Perspektive reizt auch Isse. Er plant schon, wie es für ihn im nächsten Herbst weitergehen soll: „Ich möchte den Hauptschulabschluss machen, weil ich wegen des Bürgerkriegs in meiner Heimat lange Jahre keine Schule besuchen konnte. Und dann mache ich die Ausbildung zum Altenpflegehelfer beim ASB", beschreibt er seine Zukunftspläne. Mit dem einjährigen Bundesfreiwilligendienst im ASB-Seniorenzentrum hätte er nicht nur erste Erfahrungen in dem Beruf gesammelt, sondern auch schon das notwendige Praktikum für die Altenhilfeausbildung absolviert. Der Dienst wird nämlich als Berufspraktikum anerkannt.